
Walter Leistikow (1865–1908) | Waldsee im Winter, vor 1892
Öl auf Holz; 53,2 x 69
Während Leistikow bis etwa 1890 gefällige, mit Staffage belebte Gegenden malte, fand er in diesem Werk zu seinem Generalthema: dem Ausschnitt einer abgeschiedenen Natur bevorzugt märkischer Provenienz im tages- und jahreszeitlichen Wechsel. Das dem Quadrat angenäherte Bildformat, das Sichhineinversetzen in das Motiv unter Verzicht auf einen Horizont und das harmonische Oval der Wasserfläche sind Ausdruck von prototypischer Konzentration; der Charakter dieser Landschaft versteht sich als empfindsamer Gegenentwurf zum städtischen Getriebe. Stimmungsvoll wird der Beginn der Dämmerung mit letzten Sonnenlichtern auf dem blau-violetten Schnee eingefangen, die Vermeidung von Lokalfarben und der Nuancenreichtum des Kolorits deuten Leistikows Auseinandersetzung mit dem durch Franz Skarbina und Lesser Ury vermittelten französischen Impressionismus an, kurz bevor er selbst nach Paris reiste. – Wie Reimar F. Lacher festgestellt hat, war dem Waldsee im Winter 1894 auf der Ausstellung der XI ein Waldsee im Sommer gegenübergestellt, ein drittes Bild zeigte ein herbstliches Waldstück.
Gemälde II, Farbtafel S. 264