19.09.2018

Ausgezeichnete Kunst: Christiane Möbus und Sunah Choi

Pressemitteilung

Hannah-Höch-Preis und Hannah-Höch-Förderpreis des Landes Berlin 2018

Das Museum Nikolaikirche wird in diesem Herbst erneut zu einem Ort der zeitgenössischen Kunst. Nach der spektakulären Installation LOST WORDS von Chiharu Shiota im vergangenen Jahr zeigen nun gleich zwei Künstlerinnen ihr Werk im ältesten Gebäude Berlins. Anlass für die Ausstellung „Holzauktion“ von Christiane Möbus ist die Auszeichnung mit dem Hannah-Höch-Preis des Landes Berlin 2018. Mit diesem bedeutenden Kunstpreis wird die Künstlerin für ihr Lebenswerk geehrt. Den Hannah-Höch-Förderpreis erhält die Künstlerin Sunah Choi. Sie präsentiert eine Installation mit dem Titel  „Skala“.

Christiane Möbus | Holzauktion

Christiane Möbus zeigt insgesamt acht Arbeiten im Kirchenschiff, darunter eine Auswahl älterer und neuester. Die Installation „versetzte ladung“ von 1983 besteht aus zwei Lastwagenachsen und Eisenplatten. „Versetzt“ kann im Sinne eines betrügerischen Vorgangs oder der Nichteinhaltung einer Verabredung verstanden werden. „Versetzt“ bedeutet aber auch, aus dem ursprünglichen in einen anderen Zusammenhang gestellt worden zu sein, hier in Aneignung der Kunstform des „Objet trouvé“, des gefundenen Objekts. „Sieger“ von 2015, ein Turntisch mit herabgefallenem Lorbeerkranz, thematisiert die Fragwürdigkeit des Leistungssports wie die Flüchtigkeit jeglichen Triumphs. Diese Installationen hat Christiane Möbus durch neu geschaffene Arbeiten ergänzt, die um Verwandlung und Stillstand, Endlichkeit und Eitelkeit kreisen.

Bei „Holzauktion“ handelt es sich um ein Arrangement aus 290 Millionen Jahre alten Baumstämmen aus dem „versteinerten Wald von Chemnitz“. Durch die Anspielung auf den um 1900 entstandenen Gassenhauer „Im Grunewald, im Grunewald ist Holzauktion“ wird auf Bauboom und Geschäftemacherei in Berlin heute wie vor hundert Jahren verwiesen. Seiner ursprünglichen Bestimmung entkleidet, präsentiert sich „Robi 4“, ein in der DDR hergestelltes Tretboot, als Symbol steten Wandels. Mit der Arbeit „Verdun“, einer später zweckentfremdeten Offizierskiste, erinnert Christiane Möbus an eine der grausamsten Schlachten des Ersten Weltkriegs. Denkmals-Charakter trägt auch die Installation „memories of tomorrow“, die auf den US-amerikanischen Pianisten Keith Jarrett anspielt. Mit „Männersache“, drei präparierten Hähnen der Rasse „Phönix“, die einander krähend zu übertönen versuchen, knüpft sie schließlich an ihre Werkgruppe der Wortspiele an.

Sunah Choi | Skala

Sunah Chois zweifache Installation, genannt „Fenster“ und „Gestell“, besteht aus einfachen Materialien: jeweils einer Stellwand als Projektionsfläche, jeweils einem Gebilde aus Maschengitter und einem Dia-Karussell. Die Projektoren werfen im Wechsel 160 verschiedene Farben durch die Gitter auf die dahinter stehenden Stellwände. So entsteht ein plastischer Schattenriss. Die Transparenz der Diapositive erinnert an die Glasmalerei gotischer Kirchenfenster. Auch ließ sich die Künstlerin von im Kirchenraum vorgefundenen Dingen inspirieren: von profanen Fenstergittern, einem abgestellten Garderobenständer und der Allgegenwart des Kreuzes.

Begleitend zu den Ausstellungen bieten die Künstlerinnen eine Führung zu ihren Arbeiten an. Außerdem wurde ein spezielles musikalisches Programm für die wöchentlichen Orgelkonzerte Nikolaimusik am Freitag entwickelt. Der Katalog zur Ausstellung, erschienen im Verlag M, ist zum Preis von 15 Euro im Museums-Shop erhältlich.

Die Preisverleihung findet am 27. September 2018 im Rahmen der BERLIN ART WEEK statt.

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Kontakt

Judith Kuhn

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

030 24002 215