03.05.2017

Berlin 1937 – im Schatten von morgen

Pressemitteilung

Erste Ausstellung im neu gestalteten Untergeschoss des Märkischen Museums

 

Die Sonderausstellung Berlin 1937 – im Schatten von morgen setzt sich auf einer inhaltlich und gestalterisch neu konzipierten Ausstellungsfläche im Märkischen Museum mit dem Leben in der Reichshauptstadt des Jahres 1937 auseinander. Das Stadtmuseum Berlin löst damit ein Versprechen aus seiner im vergangenen Jahr verabschiedeten Zukunftsstrategie ein: mehr Ausstellungen zu historisch und politisch relevanten Themen zu realisieren. Mit der aktuellen Sonderausstellung wird dieses Vorhaben erstmals sichtbar.

 
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die kritische Betrachtung großstädtischer Lebenswirklichkeiten unter den Bedingungen der nationalsozialistischen Diktatur. Damit ergänzt die Sonderausstellung zehn Monate lang als eigenständiges Angebot die vielfältigen Ausstellungen der Berliner Dokumentationsstätten und Erinnerungsorte zu diesem Thema. Zwischen Herrschaftskonsolidierung und Kriegsvorbereitung markiert das Jahr 1937 unter dem NS-Regime eine innen- wie außenpolitisch kurze Phase relativer Ruhe. Dieser vergleichsweise ereignisarme Zeitraum steht im Zentrum einer analytischen Darstellung des Großstadtalltags.

Die Ausstellung ist als Rundgang konzipiert, der mit Blick auf Stadtbilder, Lebensbereiche, Schauflächen, Angsträume und Geschichtsfelder unterschiedliche Themengebiete erschließt. Über 50 Originale, zum Teil erstmals präsentierte Objekte erzählen dabei vom Alltag in der Metropole und den Menschen dieser Zeit. Tablet-Computer liefern zu jedem Objekt vertiefende Inhalte: Historische Fotos, Dokumente und Filmausschnitte erläutern die größeren Zusammenhänge und bieten so kompakt und abwechslungsreich vertiefende Hintergrundinformationen. Schilderungen von Zeitzeugen aus Tagebüchern, Briefen und Artikeln geben zudem persönliche Einblicke in das damalige Berlin.

Unter den Objekten befindet sich ein weltweit einmaliges Exponat: Teile eines Schaukastens, in dem das nationalsozialistische Hetzblatt Der Stürmer präsentiert wurde. Die originalen Tafeln stellen neben Zeitungsseiten antisemitische Parolen, Karikaturen und Spottverse zur Schau. Dieses einzigartige Objekt wurde 2015 auf dem Dachboden einer zum Abriss bestimmten Ausflugsgaststätte in Berlin-Schmöckwitz gefunden und der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannseekonferenz übergeben. Im Märkischen Museum ist sie nun erstmals öffentlich zu sehen.

Auch das Museum selbst ist Gegenstand der kritischen Betrachtung. Im Jahr 1937 beteiligte sich das Märkische Museum an der von den Nationalsozialisten instrumentalisierten 700-Jahr-Feier von Berlin.

„In der Dauerausstellung des Märkischen Museums spielt die NS-Geschichte bislang eine untergeordnete Rolle. Eine intensivere Auseinandersetzung des Stadtmuseums Berlin mit dieser Epoche – sowie weiteren zeithistorischen und politischen Ereignissen und Themen – ist überfällig“, so Direktor Paul Spies. „Zum einen erwartet das unser Publikum. Zum anderen werden wir damit unserem Bildungsauftrag und dem grundsätzlichen Anspruch an unsere Programmarbeit gerecht. Mehr denn je muss und wird das Stadtmuseum Berlin relevante Themen aufgreifen, Antworten geben, Fragen stellen und immer auch Raum für Austausch, Dialog und Teilhabe bieten. In einer Zeit, in der sich Fakten, Werte und politische Positionen verändern und wir einen gesellschaftlichen Wandel erleben, ist das besonders wichtig.“.

Ein hochkarätig besetzter wissenschaftlicher Fachbeirat sowie das Centrum Judaicum haben dazu beigetragen, die Ausstellung zu verwirklichen.

 

Begleitprogramm und Publikationen

Die Ausstellung wird von einem breit gefächerten Begleitprogramm flankiert. Ein besonderer Höhepunkt ist die Inszenierung der PRIVATOPER BERLIN mit verbotener Musik der 1930er Jahre in der Großen Halle des Märkischen Museums. Der Blog Chronik Berlin 1937 wird die Ausstellung während der Laufzeit um historische Fakten und Schlaglichter erweitern. Studierende des Masterstudiengangs Public History der Freien Universität Berlin betreuen das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum Berlin. Zur Ausstellung Berlin 1937 – im Schatten von morgen ist im Verlag M eine gleichnamige Publikation erschienen. Ebenfalls zum Thema ist im selben Verlag der Band Berlin 1937/1947 mit Fotografien von Harry Croner erhältlich.

 

Eine Ausstellung in Kooperation mit der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum.

 

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Kontakt

Judith Kuhn

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

030 24002 215

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Berlin 1937 – im Schatten von morgen