12.04.2018

BİZİM BERLİN 89/90

Pressemitteilung

Fotografien von Ergun Çağatay

In der Wendezeit bereiste der renommierte Istanbuler Fotograf Ergun Çağatay (1937 – 2018) Ost- und West-Berlin für eine Reportage. Er suchte die zweite Generation türkischer Einwandererinnen und Einwanderer. Was er fand, war eine Stadt im Umbruch. Seine historischen Fotografien dokumentieren den Alltag türkischer Berlinerinnen und Berliner. Zugleich schließen sie eine Lücke in der Erzählung von Berlins jüngerer Stadtgeschichte, denn bisher wurde die türkische Perspektive auf Mauerfall und staatliche Wiedervereinigung kaum berücksichtigt.

Çağatays zeithistorische Dokumente bilden den Ausganspunkt der Sonderausstellung „BİZİM BERLİN 89/90“, zu Deutsch „Unser Berlin“, die das Stadtmuseum Berlin vom 13. April bis 16. September im Märkischen Museum präsentiert. Seine 35 Bilder zeigen die neuen Möglichkeiten, die sich 1989/90 eröffneten: Türkische Geschäftsleute begannen, in Ost-Berlin Fuß zu fassen. West-Berliner Türkinnen und Türken sahen sich aber auch mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert. Die türkische Minderheit musste einen neuen Platz in der veränderten Gesellschaft finden. Çağatay fotografierte die bunte Berliner Mauer, türkische Läden in Kreuzberg und den „Polenmarkt“ am Potsdamer Platz. Er besuchte den heute fast vergessenen Türkischen Basar im U-Bahnhof Bülowstraße und die legendäre Jugendgang „36 Boys“ am Kottbusser Tor.

Keine klassische Fotoschau

BİZİM BERLİN 89/90 ist jedoch mehr als eine klassische Fotoschau: Die Ausstellung widmet sich auch dem künstlerischen Werk Ergun Çağatays und seinem Blick auf das türkische Leben in Berlin. Zudem recherchierte das deutsch-türkische Kuratorenteam die Geschichten von Berliner Persönlichkeiten, die auf Çağatays Bildern zu sehen sind. Vorgestellt werden sie in vier Themenräumen: Welche Rolle spielte Hip-Hop für die „36Boys“? Wohin zogen Juwelier und Hochzeitsausstatter nach der Schließung des Türkischen Basars? Wie gelang es der türkischen Berlinerin Senay, aus dem Lebensmittelgeschäft ihrer Eltern ein erfolgreiches Unternehmen zu machen? Und wie leben die damals aus der Türkei geflohenen Musiker Ozan Şahturna und Ozan Şiar heute in Berlin?

Aus persönlichen Objekten und Audio-Interviews, die die Künstlerin Sonya Schönberger mit Zeitzeugen führte, spinnt sich ein Netz aus Erinnerungen, historischen Ereignissen und Gegenwartsbezügen. Mit der Soundcollage „Scratch against Stillstand“ holt Rapper und Theatermusiker Volkan Türeli alias Volkan T error die Erfahrungen von Ausgrenzungen und Rassismus aus der Wendezeit in die Gegenwart.

Mitmachen erwünscht

Ein weiterer wichtiger Aspekt von BİZİM BERLİN 89/90 ist es, den Besucherinnen und Besuchern der Ausstellung Freiräume zu bieten, um das Mosaik der erzählten Geschichten um ihre eigenen Geschichten zu ergänzen. Als zentraler Ort der Auseinandersetzung mit der Berliner Vergangenheit und Gegenwart erprobt das Märkische Museum seit 2016 neue Ausstellungs- und Veranstaltungsformen. Besucherinnen und Besucher werden nicht belehrt, sondern dazu angeregt, persönliche Erfahrungen zu teilen und so gemeinsam mit dem Museum Berliner Geschichte zu erzählen. „BİZİM BERLİN 89/90“ öffnet sich als Bestandteil dieses musealen Lernprozesses neuartigen Blickwinkeln und lädt alle Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt dazu ein, aktiv teilzunehmen und mitzugestalten. Um Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen, wurde das Begleitprogramm in Zusammenarbeit mit der Bürgerstiftung Neukölln entwickelt.

Es lässt Raum für Veranstaltungen oder spontane Interviewbeiträge, die gemeinsam mit dem Publikum realisiert werden. Die gesammelten Ergebnisse werden nach Ende der Ausstellung in einer Publikation veröffentlicht – als Beginn einer neuen Erzählung der Stadtgeschichte aus der Sicht von türkischen Berlinerinnen und Berlinern.

 

MÄRKISCHES MUSEUM

Am Köllnischen Park 5 | 10179 Berlin
Neu: Die Ausstellung ist auch direkt vom Park zugänglich!

Laufzeit 13. April bis 16. September 2018

Eintritt frei

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Kontakt

Judith Kuhn

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

030 24002 215