18.11.2015

Menzels goldenes Vermächtnis

Restauratorin macht überraschende Entdeckung

Am 3. Dezember beginnt die neue Ausstellung des Stadtmuseums Berlin über den Maler und Grafiker Adolph Menzel. Doch nicht seine Kunst, sondern die Person Menzels steht im Mittelpunkt der Sonderschau im Märkischen Museum. Gezeigt werden Alltagsgegenstände, Mal- und Zeichen-Utensilien aus dem persönlichen Besitz des preußischen Vorzeigekünstlers sowie einzigartige Dokumente und Skizzen aus seinem Nachlass – historische Dokumente, die zum Teil restauriert werden mussten. Dabei machten unsere Restauratoren eine verblüffende Entdeckung. 

Gegen den Zahn der Zeit

Vom Zahn der Zeit angenagtes Schriftstück Menzels vor der Restaurierung | Foto: Katharina Plate © Stadtmuseum Berlin

Im Vorfeld der Ausstellung waren rund 250 Objekte aus Papier zu sichten: Grafiken, Bücher, Fotos und Archivalien aus den Sammlungen des Stadtmuseums Berlin, für die es mit ausreichendem zeitlichem Vorlauf den Restaurierungsbedarf zu ermitteln galt.  31 davon, die bisher in der Dokumentensammlung des Museumsdepots geschlummert hatten, sind nun zum Abschluss der Ausstellungsvorbereitungen restauratorisch in Schuss gebracht worden.

Zu tun gab es dabei vieles: So mussten Risse in beschriebenen Blättern mit hauchdünnem, stabilem Japanpapier hinterlegt werden. Alte Klebestreifen waren zu entfernen, da sie das Papier wellig machen. Auch der Tintenfraß hatte einigen Manuskripten so zugesetzt, dass das geschädigte Papier stabilisiert werden musste.

Zauberhafter Glanz

Carl Johann Arnold: Adolph Menzel abends beim Schein der Lampe arbeitend, 1846 © Stadtmuseum Berlin

Eine überraschende Entdeckung machte unsere Restauratorin Katharina Plate bei der Durchsicht der Briefe des Künstlers: Ein von Menzel verfasstes Schreiben an Schwester Emilie und Schwager Hermann Krigar brachte er mit brauner Tinte zu Papier, die winzige Goldpartikel enthält. Mit bloßem Auge schwer zu erkennen, aber unter dem Mikroskop bei 20-facher Vergrößerung gut sichtbar, zieren schimmernde Edelmetall-Partikel die schwungvollen Zeilen.

Wie Meister Menzel dem Brief an seine Schwester goldenen Glanz verliehen hat, lässt sich nicht mit letzter Sicherheit sagen. Entweder wurden die Goldpartikel der flüssigen braunen Tinte beigemischt oder Menzel selbst bestreute die noch nasse Tinte des Briefes nachträglich mit Goldstaub. Für letzteres spricht der offenkundige Verlust von Goldpartikeln an einigen Stellen.

Um dieses einzigartige Objekt zu schützen und seinen Zauber für die Zukunft zu bewahren, muss es für den Transport zur Ausstellung einzeln verpackt und bis zur Präsentation sicher vor mechanischen Einflüssen gelagert werden: Niemand soll versehentlich den Goldstaub abreiben können, der dieses ganz besondere Menzel-Dokument so einzigartig macht.

Foto der Barrikaden an der Ecke Rungestraße / Köllnischer Park im März 1919
Märkisches Museum
So | 27.01. | 16 Uhr
Metropole 18/19

Öffentliche Führung
Alltagsleben und Bürgerkrieg in Berlin