24.03.2021

Nachwuchs im Museumsdorf Düppel

Lämmer der Schafrasse Skudde

Sie heißen Samira, Flöki, Pipkin und Fraena: Vier Lämmer sind im März im Museumsdorf Düppel zur Welt gekommen. Ein Stall-Besuch.

Tanken Sonne: Samira (links) und Pipkin © Stadtmuseum Berlin I Foto: Melanie Huber

Pipkin ist neugierig. Mit dem kleinen Kopf voran stößt er gegen alles, was er noch nicht kennt: Tränke, Kamera, Knie. Sein Fell ist schwarz und kurzgelockt. Es fühlt sich weich an. Seine Mutter Elsa beäugt die fremden Gäste im Stall. Sie wirkt misstrauisch. Pipkin und seine Schwester Fraena sind ihr zweiter Wurf. Das fünf Jahre alte Mutterschaf ist eine echte Düppelerin, geboren im Museumsdorf – und Mutter der drei Jahre jüngeren Fiona, die ebenfalls Nachwuchs bekommen hat und sichtlich gelassen neben ihr steht. Fionas ruhige Wesensart wirkt sich wohltuend auf ihre beiden frisch geborenen Lämmer Samira und Flöki aus, die entspannt auf dem sonnenbeschienenen Boden sitzen.

Alte Hausschafrasse

Lange müssen die beiden Familien nicht mehr im Stall ausharren. Wenn die Körpertemperaturen stabil bleiben, die Lämmer gut angenährt sind und die Mutterschafe genügend Kraftfutter erhalten haben, darf der Nachwuchs in wenigen Wochen schon auf die Weide. Dort wartet die Herde. 20 Schafe der nordischen Rasse Skudde leben auf dem Gelände des Museumsdorfs Düppel. Die Skudde zählt zu den ältesten Hausschafrassen. Wikinger führten sie vor rund 2.000 Jahren auf ihren Kaperfahrten mit sich und sorgten dadurch für ihre Verbreitung. Bis ins 20. Jahrhundert hinein war die Skudde beliebtes Nutztier im Baltikum und in Ostpreußen. Dann wurde sie von Leistungsschafrassen wie dem Merino-Schaf verdrängt. Mittlerweile steht die Skudde auf der Roten Liste der bedrohten Nutztierrassen. Nur noch 1.000 bis 2.000 reinrassige Skudden gibt es in Deutschland. Samira, Flöki, Pipkin und Fraena sind nun vier von ihnen.

Samira gefällt es auf dem Arm von Tierpflegerin Daniela Handrack © Stadtmuseum Berlin I Foto: Melanie Huber

Kleine Ohren, kurzer Schwanz

Die Skudde hat viele Besonderheiten. Als kleinste, mitteleuropäische Schafrasse zeichnet sie sich durch einen kurzen Schwanz und kleine Ohren aus. Böcke entwickeln in der Regel ein schön gewundenes Schneckengehörn. Eine Zeitlang erkannte man die Skudde vor allem an ihrem weißen Fell. Erst seit ein paar Jahren ist es wieder erlaubt, die Skudde mit schwarzem, grauschwarzem oder goldbraunen Fell zu züchten. Die Skudde gilt als robust, kann im Freien überwintern und ist unempfindlich gegenüber Krankheiten. Die anspruchslosen Tiere eignen sich auch wunderbar für die Landschaftspflege auf sandigen Böden – perfekt also für die mageren Berliner Weiden. Die Schafe tragen ein mischwolliges, feines Vlies. Das heißt, ihr Fell besteht aus unterschiedlichen Anteilen von Ober- und Unterhaaren, wodurch es widerstandsfähig ist. Da im Freilichtmuseum jedes natürliche Material verwertet wird, nutzen die Mitglieder des Fördererkreises Museumsdorf Düppel e.V. die jährliche Schafschur, um aus der Wolle Decken und Filzprodukte von Hand herzustellen.

Von all dem wissen die vier kleinen Lämmer nichts. Im Stall am Rand von Zehlendorf dreht sich das Leben gerade ausschließlich ums Essen, Schlafen und Kuscheln. Und wenn es ab und zu mal mit dem Kopf gegen die Wand geht, dann aus purem Interesse.

Text: Melanie Huber 

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