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title: "Claire Waldoff"
date: 2024-12-30
last_modified: 2025-10-20T07:15:26+02:00
generated_at: 2026-06-03T18:24:25Z
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description: "Freche, humorvoll vorgetragene Lieder im Berliner Dialekt machten die Sängerin, Kabarettistin und Feministin Claire Waldoff (1884–1957) zur Ikone des Berliner Varietés."
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# Claire Waldoff

**Mit frechen, humorvoll vorgetragenen Liedern im Berliner Dialekt wurde die Sängerin, Kabarettistin und Feministin Claire Waldoff (1884 - 1957) zur Ikone des Berliner Varietés.**

![Waldoff im Anzug, erhobenen Hauptes mit verschränkten Händen stehend und von oben herab ernst in die Kamera blickend](https://cdn.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2024/12/claire-waldoff-foto-postkarte-187x300.png)

- **1884** geboren am 21. Oktober in Gelsenkirchen als Clara Wortmann
- **1896** Besuch des Mädchengymnasiums in Hannover
- **1901 - 1904** erste Engagements an Schauspielbühnen in Bad Pyrmont und Kattowitz (heute Katowice, Polen)
- **1906** Umzug nach Berlin, Bühnenerfolg am „Figaro-Theater“ (Charlottenburg)
- **1907** Debut am Kabarett „Roland von Berlin – Künstlerbühne Admiralspalast“ in der Potsdamer Straße (Schöneberg) mit Walter Kollos Lied vom „Schmackeduzchen“
- **1908** Engagement am Kabarett „Chat Noir“ in der Potsdamer Straße
- **1909** am **„**Linden-Cabaret**“** in der Friedrichstraße (Mitte), dort 1913 Erkennungsmelodie „Herrmann heeßt er“ von Ludwig Mendelssohn
- **1917** Köchin Auguste in Walter Kollos Operette „Drei alte Schachteln“ im Theater am Nollendorfplatz (Schöneberg)
- **ab 1924/25** in Eric Charells Ausstattungsrevuen, Karriere-Höhepunkt mit Revue-Auftritten in den Varietés „Scala“ (Schöneberg), „Plaza“ (Friedrichshain) und „Wintergarten“ (Mitte) sowie Tourneen durch Deutschland
- **1939** Übersiedlung nach Bayerisch Gmain bei Bad Reichenhall
- **1957** gestorben am 22. Januar in Bad Reichenhall, beigesetzt auf dem Stuttgarter Pragfriedhof

![Portrait-Fotografie, Waldoff in gerader Haltung leicht von oben herab mit angedeutetem Schmunzeln in die Kamera blickend](https://cdn.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2024/12/claire-waldoff-1910-201x300.png)

### Der „Stern von Berlin“

„Eine Sängerin, blutjung, temperamentvoll, wild, berlinisch, proletarisch, fast mehr Mann als Frau – eine hinreißende, das Publikum entweder abstoßende oder einfach umwerfende Erscheinung…“, so beschrieb der Kabarettist Willi Schaeffers seine Kollegin Claire Waldoff, die 1908 am Kabarett „Chat Noir“ engagiert war. Nur wenige Monate zuvor war sie auf der Bühne des „Roland von Berlin“ über Nacht zum „Stern von Berlin“ geworden. Großen Anteil an diesem gelungenen Debut der 23-jährigen Autodidaktin hatte ihr ebenso junger Kollege, der Komponist und Pianist Walter Kollo, der ihre ersten Auftrittslieder schrieb.

Claire Waldoffs Markenzeichen waren ihre brandroten Locken und eine schlichte Bühnenkleidung – Rock, Hemdbluse und Schlips. Sie besaß einen unvergleichlichen Vortragsstil, der so auf einer Kabarettbühne noch nie zu erleben gewesen war. Statt ausladender theatralischer Gesten unterstrich sie ihre Darbietungen mit einfachster, aber äußerst wirkungsvoller Mimik. Ihre Lieder erzählten vom Alltag der kleinen Leute, den sie auf den Straßen, in den Laubenkolonien und in den Kneipen Berlins studierte.

Hörstück aus der Ausstellung „BerlinZEIT“ im Museum Ephraim-Palais

##### „Ick selbst: Claire Waldoff.“

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Oft kehrte Waldoff mit ihren Bühnenkolleg:innen im „Restaurant Stallmann“ in der Jägerstraße 14 (Mitte, nahe Gendarmenmarkt) ein oder besuchte den „Toppkeller“ in der Schwerinstraße (Schöneberg), ein vor allem bei lesbischem Publikum beliebtes Tanzlokal. Berliner Lebensart und Jargon erlebte sie unmittelbar im Restaurant „Zum Nussbaum“ in der Fischerstraße (Mitte, Fischerinsel), in dem sie manchen Abend an der Seite ihres Freundes [Heinrich Zille](https://www.stadtmuseum.de/artikel/heinrich-zille) verbrachte.

Diese Erfahrungen flossen direkt in ihr Repertoire ein. Sie selbst verwandelte sich in die Protagonist:innen ihrer Lieder, die sie lebensecht, ohne jegliche Rührseligkeit vortrug. Sie sang von Berliner Männern und Frauen, der einfachen Verkäuferin oder der Köchin, aber auch vom neuen Typ Frau wie der „Hannelore“ vom Halleschen Tor. Sie selbst gab als „Zille-Göre“, die sie 1925 auch im Großen Schauspielhaus am Schiffbauerdamm (Mitte) zum Besten gab, in Hans Brennerts Singspiel „Hofball bei Zille“ oder in dem Lied „Sein Milieu“.

Claire Waldoff wurde zum Inbegriff der „Berliner Pflanze“. Über drei Jahrzehnte war sie ein Kassenmagnet der Kabaretts und der Varietébühnen. Ihr Repertoire umfasste mehr als 300 Volkslieder, Chansons und Couplets. Mit ihrer außergewöhnlich modulationsfähigen Stimme und ihrer großen Musikalität konnte sie alle Nuancen zwischen derbem Gassenhauer und einfühlsamer Ballade interpretieren.

![Zeichnerische Interpretation der vier Personen](https://cdn.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2024/12/rudolf-grossmann-charell-revue-287x300.jpg)

![Waldoff stehend vor geparktem Automobil, im Vordergrund ein Dackel.](https://cdn.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2024/12/claire-waldoff-1930-300x203.jpg)

Um 1930 nahm Waldoff monatlich Schallplatten auf und wirkte im Rundfunk-Kabarett mit. Sie gehörte zu den beliebtesten Interpretinnen ihrer Branche. Schon zu Lebzeiten wurde Claire Waldoff von vielen Künstlerkolleg:innen bewundert. Der Schriftsteller Kurt Tucholsky, der ihr [in den 1920er Jahren](https://www.stadtmuseum.de/thema/1920er-jahre) einige Liedtexte geschrieben hatte, verglich sie mit der Berolina, dem Wahrzeichen der Stadt Berlin. Maler, wie Emil Orlik oder Walter Trier, schufen Portraits dieser besonderen Künstlerin.

![Bronzebüste der 68-Jährigen](https://cdn.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2024/12/bueste-claire-waldoff-234x300.jpg)

Kurz nach Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft wurde Claire Waldoff 1933 zur „unerwünschten Person“ erklärt. Sie konnte ihren Beruf zwar noch ausüben, doch die Zahl ihrer Auftritte ging merklich zurück. 1939 verließ sie Berlin gemeinsam mit ihrer Lebensgefährtin Olly (Olga) von Roeder. Nach dem Zweiten Weltkrieg trat sie in einigen westdeutschen Städten auf und 1950 noch ein letztes Mal in Berlin, im „Titania-Palast“ in der Schloßstraße (Steglitz).

Ein Comeback gelang ihr nicht mehr. 1953 erschien ihre Autobiografie „Weeste noch ...!“ Am 22. Januar 1957 starb Claire Waldoff in Bad Reichenhall. Zahlreiche Lieder, die sie einst sang, sind auch heute noch auf Kleinkunstbühnen in Berlin und anderenorts zu hören. An einem Haus an der Ecke Ansbacher/Regensburger Straße in [Schöneberg](https://www.stadtmuseum.de/thema/schoeneberg), in dem sie von 1919 bis 1933 wohnte, erinnert seit 1989 eine Gedenktafel an die Künstlerin.

*Dieser Text ist 2012 erschienen im Katalog zur Ausstellung „BERLIN macher: 775 Porträts – ein Netzwerk“ des Stadtmuseums Berlin im Museum Ephraim-Palais (Verlag: Kerber Forum).* *Redaktionelle Nachbearbeitung: Heiko Noack*.

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![Ausgeschnittene Nahaufnahme von Waldoffs Gesicht mit hochgezogener Augenbraue und Aufschrift; Haare rot, alles andere Schwarz-weiß](https://www.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2024/12/4a6f01ab-47ad-4849-9039-bc5a12c3b99e.jpg)

![Grafisch gestaltetes Plakat](https://www.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2024/12/c5e8ff6b-3960-476b-9f2f-e9c4c81ebf64.jpg)

![Waldoff-Fotoportrait inmitten von Blumenranken](https://www.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2024/12/96bdbab1-39b8-4dab-a0d4-367254a10aab.jpg)

![Titelblatt mit mittiger Schwarz-weiß-Portraitfotografie](https://www.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2024/12/d1a5a9bf-0b5e-42a3-91f5-035c7f638330.jpg)

![Singende Claire Waldoff auf schwarz-weißem Plakat](https://www.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2024/12/6917d9d7-54f8-4ac7-afb4-0c275b2c1c06.jpg)

![Karikatur Claire Waldoffs auf grafisch gestaltetem Plakat](https://www.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2024/12/35636674-b9da-4b06-80bc-808e0b7967ad.jpg)

![Singende Waldoff wirbt auf einem an eine rote Fahne erinnernden Plakat für eine Vorstellungsreihe ab dem 1. Mai](https://www.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2024/12/766ef8dd-1af7-4320-9ccd-500359bdaefe.jpg)

![Singende Waldoff in kostümierter Personhengruppe](https://www.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2024/12/9f78181a-0e66-4f6c-838c-1a7816b5ceb0.jpg)

![Gemälde tanzender Männer und Frauen auf einer Bühne, im Vordergrund ein Orchester aus schwarzen Musikern.](https://cdn.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2024/08/paul-grunwaldt-variete-232x300.jpg)

### BerlinZEIT

**Die Stadt macht Geschichte!**
Mehr über das Berliner Varieté erfahren Sie in der großen stadtgeschichtlichen Ausstellung im Museum Ephraim-Palais.

[ Zur Ausstellung](https://www.stadtmuseum.de/ausstellung/berlinzeit)

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