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title: "Sankt Luther"
date: 2023-06-05
last_modified: 2023-09-05T16:37:50+02:00
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# Sankt Luther

### Reformator zwischen Inszenierung und Marketing

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![](https://www.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2023/06/sankt-luther.jpg) Martin Luther in einer Darstellung des Malers Veit Hanns Schnorr von Carolsfeld, Stich von August Dietz (Ausschnitt), vermutlich 1835  ![](https://www.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2023/06/armreliquiare-strausberg.jpg) Armreliquiare aus dem Dominikanerkloster Strausberg, um 1510/20. Laubholz, farbig gefasst. Diese „redenden Reliquiare“ weisen bereits in ihrer Form darauf hin, von welchem Körperteil die darin enthaltenen Reliquien stammen. Die beiden Armreliquiare gehörten ursprünglich zum Dominikanerkloster in Strausberg. Nach der reformationsbedingten Auflösung des Klosters wurden sie von der nun evangelischen St. Marienkirche in Strausberg übernommen und dort bis 1887 weiter bewahrt. ![](https://www.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2023/06/brandenburgische-kirchenordnung.jpg) Brandenburgische Kirchenordnung von 1540. Blindband mit faksimiliertem Titelblatt. Nach Einführung der Reformation in Brandenburg im November 1539 setzte Kurfürst Joachim II. im Sommer 1540 auch eine neue Kirchenordnung in Kraft. Allerdings behielt diese die meisten „katholischen“ Feiertage sowie die vormalige Liturgie in weiten Teilen bei. Joachim liebte die ihm vertrauten Prozessionen und Gewänder, hatte er doch – darin seinem Onkel Kardinal Albrecht folgend – noch 1535 das ehemalige Cöllner Dominikanerkloster in ein Domstift umgewandelt und eine eigene Heiltum-Sammlung angelegt. Auch nach 1540 ließ er hier noch Heiltumsweisungen durchführen.  ![](https://www.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2023/06/luther-mantel-restauriert.jpg) Restauriertes Messgewand (Kasel), so genannter „Luther-Mantel“, 1545. Im Jahr 1545 wurde Fürst Georg III. von Anhalt durch Martin Luther zum ersten evangelischen Bischof Merseburgs geweiht. Das Messgewand wurde wahrscheinlich eigens für diese Weihe angefertigt. Ursprünglich sollte der Brandenburger Bischof Matthias von Jagow die Weihe Georgs vornehmen. Da der Bischof jedoch kurz zuvor verstarb, wandte sich Fürst Georg an seinen Freund Martin Luther und stattete ihn wohl mit dieser Kasel aus. © Stadtmuseum Berlin | Vereinigte Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz, Domstift; Domstift Merseburg, Gewänderinventar Nr. 5  ![](https://www.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2023/06/luther-kasel-unrestauriert.jpg) „Luther-Mantel“ vor der Restaurierung, 1957. Stoffabschnitt, vermutlich im frühen 19. Jh. auf beschriftetes Papier geheftet. Wie hier deutlich zu sehen ist, wurde die Luther-Kasel über die Jahrhunderte durch Entnahme von „Reliquien“ zerstückelt. Die Restaurierung des oft „Luther-Mantel“ genannten Gewandes nahm keine Rücksicht auf die Hintergründe seiner Zerstörung. Nachweislich stammt diese „Luther-Reliquie“ von der Merseburger Luther-Kasel. Damit ist sie eine klassische „Berührungsreliquie“. Wie und wozu diese und ähnliche, sorgfältig zertifizierte Stofffetzchen in Umlauf gebracht wurden, ist noch nicht erforscht. Handelt es sich um eine frühe Form des Standortmarketings für den Dom zu Merseburg als „Luther-Stätte“? ![](https://www.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2023/06/gemaelde-hermann-knackfuss.jpg) Hermann Knackfuß: „Die Räte von Berlin erhalten das Abendmahl“, 1886. Gouache-Malerei auf Papier. In idealisierender Weise erinnert das Bild an die Einführung der Reformation für die Räte und Bürger Berlins und Cöllns am 2. November 1539 in der Nikolaikirche. Allerdings war der in zentraler Rolle dargestellte Bischof Matthias von Jagow gar nicht anwesend. Heute wissen wir, dass sowohl der Gottesdienst am 1. November am Cöllner Hof als auch der am 2. November in der Berliner Nikolaikirche von Propst Georg Buchholzer gehalten wurde. Auf dem gezeigten Bild ist er lediglich assistierend dargestellt. Joachim II. hatte Buchholzer im Vorgriff „seiner“ Reformation schon im Sommer 1539 an die Nikolaikirche berufen.  ![](https://www.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2023/06/georg-buchholzer.jpg) Portrait des Berliner Propstes Georg Buchholzer. Zur Feier des Abendmahls behielt Martin Luther den Gebrauch von Messgewändern bei. Andere Formen, wie beispielsweise die bei Prozessionen benutzen Chormäntel, lehnte er jedoch ab. Trotzdem antwortete er auf eine Klage von Georg Buchholzer, der Brandenburgische Kurfürst Joachim II. behielte bei der Einführung der Reformation so viele altkirchliche Gebräuche bei: „…so geht in GOttes Namen mit herum, und tragt ein silbern oder gülden Kreuz, und Chorkappe oder Chorro\[c\]k von Sammet, Seiden oder Leinwand. Und hat euer Churfürst an einer Chorkappe oder Chorrok nicht genug, die ihr anzieht, so zieht derer drei an. \[…\] All diese Stücke geben oder nehmen dem Evangelio gar nichts.“ Messgewänder blieben in der Mark Brandenburg in der lutherischen Kirche teilweise noch über 250 Jahre in Gebrauch. Der evangelische Talar wurde erst 1811 verbindlich eingeführt. Wie schon der sprichwörtliche „Luther-Rock“ knüpft er an traditionelle Amtsbekleidung von Universitätsprofessoren an und ist somit kein liturgisches Gewand, sondern eine Amtstracht. ![](https://www.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2023/06/spandauer-bischofskasel_0.jpg) „Spandauer Bischofskasel“ (Vorderseite). Roter Samt mit Granatapfelmuster (Italien, um 1475) und Stickerei (Prag, um 1400). Dieses Messgewand aus der Nikolaikirche zu Spandau hängt sehr wahrscheinlich direkt mit der Einführung der Reformation in Brandenburg zusammen. Der Bischof des Brandenburger Bistums, Matthias von Jagow, zelebrierte am 1. November 1539 in der Spandauer Nikolaikirche „mit großer Ceremonie“ für Brandenburger Adelige den ersten evangelischen Gottesdienst in der Mark. Dies tat er in seinem persönlichen Messgewand, dass wohl nach diesem Ereignis in Spandau verblieb. In jenem Jahr gehörte die Kasel bereits zu den älteren Gewändern des Brandenburger Bischofssitzes: 140 Jahre alt war die böhmische Stickerei, damals als Gabelkreuz auf dem Rücken. Ihr Stoff war durch den roten Samt ersetzt worden. In Spandau wurde die Kasel dann wohl noch über 250 Jahre evangelisch weitergenutzt und mehrfach umgearbeitet.  ![](https://www.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2023/06/lutherstube-wartburg-lithografie.jpg) Farblithografie der Eisenacher Lutherstube mit Tintenfleck, um 1830 (Reproduktion). Postkarte „Wartburg: Die Lutherstube“, um 1900. Während seiner Schutzhaft auf der Wartburg hatte Martin Luther 1520/21 mit der Übersetzung der Bibel begonnen. Von Ängsten bedrängt, wähnte er eines Nachts, der Teufel käme hinter dem Ofen hervor. Vom Schreibtisch aus schleuderte Luther sein Tintenfass so heftig in Richtung des Satans, dass es an der Wand zerschellte und dort einen Tintenfleck hinterlassen haben soll. Noch bis ins 19. Jahrhundert hinein färbte man den legendären Tintenfleck regelmäßig nach, da er von Luther-Wallfahrern immer wieder als „Reliquie“ von der Wand gekratzt wurde. Auf der Lithographie von 1830 ist er noch zu sehen. Später genügte den Besuchern der Luther-Stube wohl schon der Wandkalk an besagter Stelle. Das Loch dort ist jedenfalls immer größer geworden. ![](https://www.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2023/06/reformatoren-collage.jpg) Reformatoren-Collage, aus 7 zeitgenössischen Kupferstichen und Radierungen zusammengefügt, teilweise koloriert. Sie belegt das Selbstbewusstsein, mit dem sich Hans Plock für die Gestaltung seiner Bibel der Werke anderer Künstler bediente. Von links nach rechts: Lucas van Leyden, Pallas Athene, 1530 | Monogrammist IB, Putten bei der Weinlese, 1529 | Albrecht Dürer, Friedrich der Weise, 1524 | Heinrich Aldegrever: Mars, 1533 | Mars mit der Kriegsfackel, 1529 | Philipp Melanchthon, 1540 | Martin Luther, 1540.  ![](https://www.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2023/06/coburger-lutherbett-foto.jpg) „Luthers Schlafzimmer auf der Veste Coburg“, um 1860. Den Sommer 1530 hindurch bewohnte Luther ein Arbeits- und ein Schlafzimmer auf der Veste Coburg. Schon früh hatten diese Räumlichkeiten eine große Anziehung für Besucher. Das im Schlafzimmer wohl erst um 1600 aufgestellte, angebliche Luther-Bett musste bald abgesperrt und 1908 schließlich ganz entfernt werden, weil Luther-Wallfahrer immer wieder Splitterdavon abschnitzten. ![](https://www.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2023/06/coburger-lutherbett-postkarte.jpg) Postkarte mit dem „Lutherbett-Gedicht“, nach 1857. Einer populären Legende nach sollten Zahnstocher aus dem Holz des Coburger Lutherbetts bei Zahnweh wahre Wunder wirken. Ein Gedicht des Coburger Heimatdichters Fritz Hoffman aus dem Jahr 1857 griff die Legende auf und lockte so vermutlich weitere schmerzgeplagte Wallfahrer an.  ![](https://www.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2023/06/kriegsanleihe-1917.jpg) Plakat „Und wenn die Welt voll Teufel wär…“, um 1917 . Während des Ersten Weltkriegs wurde nicht nur Luther zu einem Sinnbild deutsch-nationaler Tugenden stilisiert, sondern auch sein berühmtes Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ als Durchhalteparole missbraucht. Dieser Kriegsanleihe-Aufruf zeugt von der Instrumentalisierung des Reformationsjubiläums 1917, bei der man sich immer wieder Zitaten aus der dritten Strophe des Luther-Chorals bediente. ![](https://www.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2023/06/luther-tragetasche.jpg) Tragetasche mit Luther-Motiv zum Reformationsjubiläum 2017 ![](https://www.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2023/06/playmobil-luther.jpg) Playmobil-Figur „Martin Luther“, 2016. Ein weiteres Beispiel für die vielfältigen Produkte und Erinnerungsartikel zum Reformationsjubiläum.  ![](https://www.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2023/06/entwurf-lutherdenkmal-marienkirche.jpg) Entwurf für das Luther-Denkmal vor der Berliner Marienkirche, Albert Weis und Zeller &amp; Moye, 2016. Vor allem im 19. Jahrhundert wurden in vielen deutschen Städten Luther-Denkmäler errichtet. So auch eine monumentale Anlage in Berlin, von der heute nur die Statue des Reformators erhalten ist. Mit dem Ziel eines zeitgemäßen Umgangs mit dieser heroisierenden Bronzeskulptur wurde 2016 ein Wettbewerb ausgerufen, den der Künstler Albert Weis zusammen mit den Architekten Zeller &amp; Moye gewann. Auf dem in den Boden vertieften Grundriss des ehemaligen Denkmalsockels soll dem historischen Luther-Standbild ein verchromtes Pendant gegenüberstehen, in dem Luther sich spiegelt und so in einen Dialog mit sich selbst und seiner Umgebung tritt.Zum 500-jährigen Reformationsjubiläum setzt das Stadtmuseum Berlin einen besonderen Akzent. In der Nikolaikirche, einst Zentrum des Brandenburgischen Luthertums, beleuchtet eine Ausstellung anhand einzigartiger, teils erstmals gezeigter Objekte die Ambivalenzen und Widersprüche zwischen Luthers neuer Lehre und der kulturellen und sozialen Praxis.

In der ehemaligen Sakristei erzählt die Sonderschau vom menschlichen Bedürfnis nach Idealen und Idolen, von Schaulust und Berührungsdrang sowie von den fließenden Grenzen zwischen Andenken und Bilderkult. Sie belegt aber auch, wie Luther bewusst inszeniert, politisch instrumentalisiert und kommerziell vermarktet wurde.

![](https://www.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2023/06/plock-bibel-300x206.jpg)  Die Hausbibel des Seidenstickers Hans Plock, Hans Lufft, Wittenberg 1541, Buchdruck mit zahlreichen Einträgen und Hinzufügungen

© Stadtmuseum Berlin

### Verehrt, verklärt, verkehrt

Ausgehend von der Zeit Luthers schlägt die Ausstellung einen Bogen bis zur Gegenwart. Die gezeigten Objekte zeugen vom (Be)deutungs- und Wertewandel einer ganzen Epoche, sie dokumentieren die glühende Verehrung, mit der Luther zur Kultfigur verklärt wurde – und seine Lehre somit oftmals in ihr Gegenteil verkehrt. Dabei werden sowohl historische als auch heutige Denk- und Merkwürdigkeiten der Lutherverehrung präsentiert, von denen so manche in pointierter Zuspitzung dem Betrachter einen Spiegel vorhält.

Am Ausgangspunkt der Sonderausstellung steht das Hallesche Heiltumbuch, eine Art Werbekatalog Kardinal Albrechts von Brandenburg für seine seinerzeit in Halle zur Schau gestellte Sammlung von Reliquien. Diese waren Teil des von Luther so leidenschaftlich bekämpften Ablasswesens. Die Hausbibel des Perlenstickers Hans Plock hingegen ist ein einzigartiges Zeugnis des Lebens und Denkens in der Reformationszeit. Ab 1541 schmückte ihr Besitzer, der zuvor für Kardinal Albrecht kunstvolle Reliquienbehältnisse und Messgewänder gefertigt hatte, diese Luther-Bibel in Verehrung der Reformatoren reich aus und nutzte sie auch als Tagebuch.

Als ein frühes Beispiel der Verkehrung von Luthers Lehren ist eine echte „Luther-Reliquie“ zu sehen: ein Stück Stoff vom Messgewand, das Luther zur Weihe des ersten evangelischen Merseburger Bischofs trug und das später fast bis zur Unkenntlichkeit in „Reliquien“ zerlegt wurde.

[![](https://www.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2023/05/cna0A2Czh6s-HD-300x169.jpg)](https://www.youtube.com/watch?v=cna0A2Czh6s)

## Kunsthistorischer Rundgang und Konzertzyklus

Begleitend zur Ausstellung sind vom 1. April bis zum 10. September im Kirchenschiff **Die Kunstwerke der Nikolaikirche aus dem Reformationsjahrhundert** zu sehen. Zum Reformationsjubiläum konnten diese durch Leihgaben weiterer bedeutender Objekte ergänzt werden, die einst zum historischen Bestand der Kirche gehörten. Zum ersten Mal seit 1945 präsentiert sich dieser außergewöhnliche Bilderschmuck damit wieder nahezu vollständig. Ein kostenloses Begleitheft führt durch den Rundgang.

Auch die Sakralmusik in der Nikolaikirche durchlief infolge der Reformation eine Zeit des Übergangs. 1650 erstellte Nikolaikantor Johann Crüger ein Verzeichnis der Notenbestände für den Gottesdienst – darunter neben lutherischer Chormusik auch vorreformatorische Werke und hochmoderne Kompositionen aus dem katholischen Italien. Der Konzertzyklus mit Chorwerken **Aus Johann Crügers Notenschrank** ergänzt die Ausstellung durch musikalischen Zeitreisen am historischen Ort.

*Ein Projekt im Rahmen des Reformationsjubiläums 2017 der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz sowie des Kulturprogrammes „ZEIG DICH – Kultur zum Kirchentag“ anlässlich des 36. Deutschen Evangelischen Kirchentages Berlin – Wittenberg.*

*Ein Projekt im Rahmen des Themenjahres Kulturland Brandenburg 2017 Wort &amp; Wirkung – Luther und die Reformation in Brandenburg.*

*„Das Paradies ist überall“ ist eine Gemeinschaftsaktion zum Reformationsjubiläum, das in Berlin mit vielen Ausstellungen und Veranstaltungen gefeiert wird, z.B. einer stadtweiten Open-Air-Ausstellung von Ostern bis Pfingsten. Weitere Informationen unter: *www.paradiese.berlin* | #berlinparadies*

[ Flyer „Sankt Luther“](https://www.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2023/06/sankt-luther-ausstellungsflyer.pdf)

[ Begleitheft](https://www.stadtmuseum.de/wp-content/uploads/2023/06/sankt_luther_begleitheft_dt_web.pdf)