„Gleisdreieck“, 2018

Esther Ernst

Am Beispiel des Kreuzberger Gleisdreiecks setzt sich eine jüngst erworbene Zeichnung der in Berlin und Solothurn lebenden Künstlerin Esther Ernst mit der Veränderung Berlins auseinander.

Esther Ernst wurde 1977 in Basel geboren. Sie studierte Kunst und Bühnenbild an den Schulen für Gestaltung Zürich und Basel sowie an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg (HFBK) und der Universität der Künste Berlin (UdK). Seit rund zwanzig Jahren sind das tägliche Zeichnen und das Notieren von Ereignissen kontinuierliche Bestandteile ihrer künstlerischen Arbeit.

Ob Karteikästen voller persönlicher Ausstellungsnotizen, Installationen aus tausenden von Tagebuchzeichnungen, raumfüllende Wandzeichnungen oder großformatige, kartografische Zeichnungszyklen: Es ist ihr ein Anliegen, ihre innere Welt der Emotionen und Reflexionen in Verbindung zur äußeren Welt festzuhalten und sichtbar zu machen. In zahlreichen Studienaufenthalten, unter anderem in Südafrika, Argentinien und Ägypten, weitet sich ihr Blick, den sie in einem akribischen Zeichenstil festhält.

Zeugnis der Veränderung

2018 dokumentierte Esther Ernst erstmals ihre Berliner Wohngegend am Kreuzberger Gleisdreieck in einer  kartografischen  Faltzeichnung. Diese wurde von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa noch im selben Jahr aus Fördermitteln der Deutschen Klassenlotterie Berlin für die Sammlung des Stadtmuseums Berlin erworben.

„Zwischen Kreuzberg, Schöneberg und dem Potsdamer Platz verwebe ich auf einem gezeichneten anatolischen Dorfteppich botanische, architektonische und historische Elemente mit persönlichen Geschichten“, so die Künstlerin über das Werk. „Als ich 2003 in die Berliner Möckernstraße zog, war das ehemalige Bahngelände eine wilde Stadtbrache mit dichter, abwechslungsreicher Vegetation. An den Kreuzberger Rändern versammelte sich informelles Autogewerbe, in Schöneberg dubiose Diskotheken. Ein Golfabschlagplatz folgte, Zirkuszelte wurden aufgebaut, eine touristische Riesenradanlage geplant. Schlussendlich setzte sich aber eine Bürgerinitiative mit der Idee des Naherholungsgebiets durch." Der Plan mit seinen vielen Details – eingezeichneten Gebäuden und Episoden – ist ein beredtes künstlerisches Zeugnis der Veränderung Berlins seit den 1990er Jahren.

Die Sammlungen des Stadtmuseums Berlin umfassen rund 4,5 Millionen Objekte. Aus diesem einzigartigen Schatz präsentieren wir Ihnen das wechselnde Objekt des Monats. Zu sehen ist es auf Ebene 1 der Dauerausstellung BerlinZEIT im Märkischen Museum.

Weitere Informationen von und über Esther Ernst auf der Website der Künstlerin.

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