Tasse mit Unterschale

KPM, 1913

Anhand einer kürzlich für die Sammlung des Stadtmuseums Berlin erworbenen Tasse mit Unterschale von KPM aus dem Jahr 1913 stellen wir das in Berlin entwickelte Verfahren der Transluzid-Emailmalerei vor.

Bei dem hier vorgestellten Objekt des Monats handelt es sich um eine so genannte Transluzid-Emailmalerei. Transluzenz ist die Bezeichnung für die Lichtdurchlässigkeit eines Körpers oder Materials. Im Gegensatz zu allen anderen keramischen Materialien ermöglicht der dünne „Scherben“ des Transluzid-Emails – der Fachbegriff für das Gemisch verschiedener Mineralien und Beimischungen  des Porzellans – dessen Lichtdurchlässigkeit. Diese lässt sich durch Porzellanmalerei noch steigern.

Innovation aus Berlin

Die Transluzid-Malerei ist eine der großartigen Innovationen der Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM) Berlin. Technologisch und kunsthandwerklich sehr aufwendig, wird das Licht innerhalb des Scherbens eingefangen. Die geschieht durch ganz feine Mustereinschnitte in das noch ungebrannte, lederharte Material. Nach dem Schrühbrand – einem besonderen Brennverfahren – bei etwa 900 bis 1000 Grad, erhält die Tasse oder Unterschale eine weiße Glasur.

Wie schon im Namen erkennbar, beinhaltet diese Glasur den gleichen Rohstoff wie Glas – Quarz. So ergibt sich auch das gleiche chemische Verhalten. Nach dem Tauchbad des Porzellans in der Glasur zieht sich diese auch über die kleinen, vorher ausgeschnittenen Materialaussparungen und bildet einen durchsichtigen Film. Noch im nassen Zustand trägt der Porzellanmaler auf diese kleinen Fenster – wie bei der hier vorgestellten Tasse – mit einem sehr feinen Pinsel die entsprechenden Farbpigmente auf.

Nach dem Glasurbrand bei 1350 Grad erfolgt in sehr geübter „Aufglasurmalerei“ in Gold und Schwarz die Verzierung der kleinen farbigen Glasfenster mit Ranken und Blattadern. Diese hochkomplizierte und zeitaufwändige Dekorgestaltung findet heute in der KPM Berlin keine Anwendung mehr. Tasse und Unterschale sind im Dekor identisch. Ihre unterschiedliche Farbgebung lassen erkennen, dass sie ursprünglich nicht zusammengehörten.

Die Sammlungen des Stadtmuseums Berlin umfassen rund 4,5 Millionen Objekte. Aus diesem einzigartigen Schatz präsentieren wird Ihnen im monatlichen Wechsel ein Objekt des Monats. Zu sehen ist es auf Ebene 1 der neuen Dauerausstellung BerlinZEIT im Märkischen Museum.

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