Die Hohenzollern in der Miniaturmalerei

Ein Königshaus im Kleinformat

Die Miniaturmalerei war vor der Erfindung der Fotografie das, was für uns heute der Schnappschuss auf dem Smartphone, das Passfoto in der Bewerbung oder das Profilbild im Dating-Portal ist. Doch ihre Funktion ging noch weiter: Die kleinen Porträts trugen das Bild der Herrschenden hinaus zum Volk. Kein Wunder also, dass die Hohenzollern als preußisch-deutsches Königshaus in der Miniaturmalerei vielfach dargestellt worden sind. Lernen Sie zehn Persönlichkeiten aus dem Hause Hohenzollern anhand von historischen Miniaturen aus der Grafischen Sammlung des Stadtmuseums Berlin kennen.

Die Miniaturmalerei

Miniaturmalerei gibt es seit dem 16. Jahrhundert. Die Größe dieser „Miniaturen“ kann recht unterschiedlich sein, doch 20 Zentimeter gelten als das Höchstmaß.  Die Techniken der Miniaturmalerei reichen von Wasserfarben auf Papier, Pergament oder Elfenbein über Ölmalerei auf Kupfer und Gold bis hin zur Emaille-Malerei. Mit der Erfindung der Fotografie im 19. Jahrhundert endet die große Zeit der Miniaturen. 

Als Luxusgut in höfischen Kreisen verbreitete sich das Miniaturbildnis rasch, denn es war leicht zu transportieren und sehr gut dazu geeignet, einen ersten bildlichen Eindruck von unbekannten Menschen zu vermitteln oder an bekannte zu erinnern. Es fand Verwendung bei der Brautwerbung, als Andenken und als Liebesgabe. Die zierlichen Porträts wurden als Ring, Medaillon, Anhänger, Armband oder Brosche getragen, etwas größere Formate konnte man aufhängen oder aufstellen. Im Bereich des Kunsthandwerks finden sich Miniaturen auch in Form von Dosenbildern, die Behältnisse schmücken. Dabei war eine Miniatur nicht unbedingt einzigartig: Oft kopierten die Künstler vorhandene Porträts und reduzierten sie im Maßstab. Lange Zeit war die Miniaturmalerei den Herrschenden vorbehalten. Im 18. Jahrhundert entdeckte auch das Bürgertum die Miniaturmalerei für sich.

Die Grafische Sammlung des Stadtmuseums Berlin umfasst unter anderem einen Bestand von 135 heute noch erhaltenen Miniaturenbildern. Einige Miniaturen aus Elfenbein gehen auf das 18. Jahrhundert zurück. Der Hauptteil, darunter auch Stillleben, Landschaften und mythologische Szenen, stammt aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert, der Blütezeit der Miniaturmalerei. Einen großen Anteil nehmen aber auch Porträtdarstellungen von Angehörigen des preußischen Herrscherhauses ein – den Hohenzollern. Mit ihnen lässt sich en miniature der Aufstieg vom kurfürstlichen Brandenburg zum Königreich Preußen dokumentieren.

Das Berliner Schloss, die Residenz der Hohenzollern. Lithografie von Ludwig Eduard Lütke, um 1850 © Stadtmuseum Berlin

Der Aufstieg des Hauses Hohenzollern

Im Jahr 1415 erhielt Friedrich VI. (1371 – 1440), Burggraf von Nürnberg aus dem schwäbischen Haus der Hohenzollern, vom römisch-deutschen König Sigismund die mit der  Mark Brandenburg verbundene Kurfürstenwürde. Fortan nannte er sich Kurfürst Friedrich I. von Brandenburg. Sein Nachfolger, Kurfürst Friedrich II. (1413 – 1471) – genannt „Eisenzahn“ – verlegte den kurfürstlichen Hauptsitz von Brandenburg an der Havel in die Doppelstadt Berlin-Cölln. Hier ließ er ab 1443 eine Burg errichten, an deren Stelle später das Berliner Schloss entstand. Durch Johann Cicero (1455-1499), den vierten Kurfürsten von Brandenburg, wurde es schließlich zum ständigen Hauptsitz des Hauses Hohenzollern. Fortan war das Haus Hohenzollern eng mit Berlin verbunden.

Der neunte Kurfürst von Brandenburg, Johann Sigismund (1572 – 1619) erbte 1618 das Herzogtum Preußen und vereinte es mit Brandenburg. Dieses Datum gilt als die Geburtsstunde Brandenburg-Preußens. Im selben Jahr begann der Dreißigjährige Krieg, in dem auch Brandenburg zum Schlachtfeld wurde – im Verlauf dreier Jahrzehnte verlor das Land mehr als die Hälfte seiner Bevölkerung.

Als 1640 Friedrich Wilhelm (1620 – 1688), der spätere „Große Kurfürst“, die Regierung antrat, übernahm er ein verwüstetes Land. Nach dem Westfälischen Frieden 1648 galt sein Streben daher dem Wiederaufbau des Handels und der Stärkung der heimischen Bevölkerung. Während seiner Jugendjahre in den Niederlanden hatte er Kontakte zu Festungsbaumeistern knüpfen können, durch die er nun Berlin zur Festung ausbauen ließ.

Mehrmals musste er sein Land verteidigen, so 1675 in der Schlacht bei Fehrbellin gegen die Schweden. Mit seinem legendären Toleranz-Edikt von Potsdam (1685) hoffte er Zuzügler zu gewinnen, die mit neuen Ideen die brandenburgische Wirtschaft beleben sollten. Dieser Wirtschaftsimpuls ging vor allem von den französischen Hugenotten aus, die als Immigranten das Land besiedelten. Sein dritter Sohn, Kurfürst Friedrich III. (1657 – 1713), krönte sich am 18. Januar 1701 in Königsberg schließlich selbst zum König und leitete so als Friedrich I. den Aufstieg Preußens zur Kontinentalmacht ein. 

Die Porträts

Sophie Charlotte von Hannover (1668 – 1705), Königin in Preußen, um 1700. Emaille auf Gold, 2,2 x 1,9 cm, ovale vergoldete Metallkapsel © Stadtmuseum Berlin | Foto: Katharina Plate


Sophie Charlotte von Hannover

Eine äußerst seltene Darstellung zeigt die erste preußische Königin Sophie Charlotte von Hannover (1668 –1705), seit 1684 zweite Gemahlin von Kurfürst  Friedrich III., der sich 1701 zum König Friedrich I. in Preußen krönte und somit die Hohenzollern zum Königshaus erhob. Die umfassend gebildete und vielseitig interessierte Frau zog 1699 ins für sie errichtete Schloss Lietzenburg, heute Schloss Charlottenburg. Das Bildnis wurde von Samuel Blesendorf (1633 – 1706) wohl um das Jahr 1700 geschaffen, also kurz vor oder anlässlich der Krönung am 18. Januar 1701 in Königsberg. Der gelernte Goldschmied hatte zuvor in Den Haag gearbeitet, bevor er ab 1679 als Porträtmaler und Kupferstecher, ab 1690 sogar als Hofkupferstecher in Berlin tätig war. 

Friedrich Wilhelm I. (1688 – 1740), König in Preußen, um 1730. Aquarell, Gouache auf Elfenbein, 5,9 x 5,1 cm; Rahmen aus Pappe © Stadtmuseum Berlin | Foto: Katharina Plate

Friedrich Wilhelm I. – der „Soldatenkönig“

Diese Porträtminiatur nach Antoine Pesne aus der Zeit um 1730 zeigt den einzigen Sohn von Sophie Charlotte und Friedrich I. Es handelt sich dabei um Friedrich Wilhelm I. (1688 – 1740), der 1713 seinem Vater auf den Thron gefolgt war und von Anfang an mit einer hohen Staatsverschuldung zu kämpfen hatte. Er zeigte wenig Interesse an den schönen Künsten und regierte sein Land mit eiserner Sparsamkeit. Dazu schuf er eine zentrale Verwaltungsbehörde, und auch der Aufbau seiner Armee mitsamt dem berühmten Leibregiment der „Langen Kerls“ (mindestens 2 Meter Körpergröße) diente der Finanzierung des Staates, da er für seine Söldner als Unterstützung fremder Heere gute Einnahmen erzielte. Sein Bemühen um das Militär brachte ihm den Beinamen „Soldatenkönig“ ein.

Sophie Dorothea von Hannover, (1687 – 1757), Königin in Preußen, um 1750. Aquarell, Gouache auf Elfenbein; 5,3 x 7,3 cm, vergoldeter Metallrahmen © Stadtmuseum Berlin | Foto: Katharina Plate

Sophie Dorothea von Hannover

Sophie Dorothea von Hannover (1687 – 1757), seit 1706 die Ehefrau Friedrich Wilhelms I. und eine Nichte seiner Mutter Sophie Charlotte, litt unter der Sparsamkeit des preußischen Hofes. Dennoch trauerte die an der Kunst und der Wissenschaft interessierte Königin um ihren 1740 verstorbenen Gemahl, mit dem sie insgesamt 14 Kinder hatte, darunter als ältesten überlebenden Sohn den späteren König Friedrich II. Das um 1750 entstandene Miniaturbildnis eines unbekannten Künstlers zeigt Sophie Dorothea mit schwarzem Witwenschleier.

Friedrich II. (1712 – 1786), König von Preußen, um 1770. Aquarell, Deckweiß, Gouache auf Elfenbein, 12,5 x 11,5 cm; vergoldeter Holzrahmen © Stadtmuseum Berlin | Foto: Katharina Plate

Friedrich II., genannt „der Große“

Berühmtester Sohn von Sophie Dorothea war Friedrich II. (1712 – 1786), der von 1740 bis zu seinem Tod Preußen regierte. In drei siegreichen Kriegen gegen das österreichische Haus Habsburg erweiterte er das Herrschaftsgebiet der Hohenzollern beträchtlich und machte Preußen so zur europäischen Großmacht. Dies trug ihm den Beinamen „der Große“ ein. König Friedrich II. führte oft persönlich seine Truppen in die Schlacht und brachte sich ohne Rücksicht auf sein Leben in Gefahr. Die abgebildete Miniatur (um 1770) stellt ihn vor dem Hintergrund eines militärischen Zeltlagers dar. Sie stammt von dem in Berlin geborenen Anton Friedrich König (1722 – 1787), einem Schüler von Blesendorf und Pesne. Beeindruckt von seinen künstlerischen Fähigkeiten, ernannte ihn König Friedrich 1767 zum Hofmaler für Miniaturporträts. König war bis zu seinem Tod Ehrenmitglied der Akademie der Künste. 

August Ferdinand (1730 – 1813), Prinz von Preußen, um 1800. Aquarell, Deckweiß auf Elfenbein; 5,1 x 3,8 cm; ovales Messingmedaillon © Stadtmuseum Berlin | Foto: Katharina Plate

August Ferdinand von Preußen

Das Porträt von August Ferdinand (1730-1813), Prinz von Preußen, ziert diese um das Jahr 1800 herum von einem unbekannten Künstler geschaffene Miniatur. Der jüngste Sohn von König Friedrich Wilhelm I. zeichnete sich in den Feldzügen des Siebenjährigen Krieges aus, dem dritten Krieg, den sein älterer Bruder Friedrich II. gegen das Haus der Habsburger führte. Er war es auch, der im Berliner Tiergarten von 1785 bis 1786 das Schloss Bellevue als seine Residenz errichten ließ. Heute residiert dort der deutsche Bundespräsident.

Friedrich Wilhelm II. (1744-1797), König von Preußen, um 1850. Aquarell, Gouache auf Elfenbein; 5,0 x 4,0 cm; vergoldeter Metallrahmen © Stadtmuseum Berlin | Foto: Katharina Plate

Friedrich Wilhelm II.

Als Friedrich der Große 1786 kinderlos starb, wurde sein Neffe Friedrich Wilhelm II. (1744 – 1797), der älteste Sohn von Prinz August Wilhelm von Preußen, sein Nachfolger. Auf seine Aufgaben als künftiger Monarch hatte ihn Friedrich selbst sorgfältig vorbereitet, indem er seine Erzieher auswählte und die Exerzitien für den Alltag persönlich festlegte. Dennoch war der neue König privat ein Lebemann und zeigte sich trotz der innen- und außenpolitischen Bedrohung durch die Französische Revolution wenig entscheidungsfreudig. Es gelang ihm nicht, an die Erfolge seines großen Vorgängers anzuknüpfen. Die abgebildete Miniaturmalerei entstand wohl um 1850, also lange nach dem Tod von Friedrich Wilhelm II. 

Friedrich Wilhelm III. (1770 – 1840), König von Preußen, um 1820. Aquarell, Gouache auf Elfenbein; 5,3 x 4,1 cm; rotes Lederetui mit Samt (6,1 x 5,2 cm) © Stadtmuseum Berlin | Foto: Katharina Plate

Friedrich Wilhelm III.

Ebenfalls von einem unbekannten Künstler der Miniaturmalerei stammt dieses Porträt, das den ab 1797 regierenden König Friedrich Wilhelm III. (1770 – 1840) zeigt. Vom Volk geschätzt, doch weit weniger populär als seine Gemahlin Königin Luise und mitunter zögerlich im Handeln, erlebte er eine wechselhafte Regierungszeit. Nach der Niederlage der preußischen Armee gegen die napoleonischen Truppen in der Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806 floh er mit seiner Familie in die östlichsten Regionen Preußens nach Memel. In der Folge war Preußen zur längst überfälligen Reform seines Staatsapparats gezwungen, maßgeblich durchgeführt von Karl August von Hardenberg und Reichsfreiherr Karl vom und zum Stein. Erst in den Befreiungskriegen 1813/15 gelang es dem 1809 nach Berlin zurückgekehrten König, Preußens alte Macht wiederherzustellen. Insbesondere der beim Wiener-Kongress 1815 ausgehandelte Zugewinn der rheinischen Provinzen begründete Preußens neuerlichen Aufschwung im 19. Jahrhundert.

Auguste Wilhelmine Amalie Luise (1776 – 1810), Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz, Königin von Preußen, nach 1806. Aquarell, Gouache auf Elfenbein; 8,3 x 7,2 cm © Stadtmuseum Berlin | Foto: Katharina Plate

Luise von Mecklenburg-Strelitz

Königin Luise (1776 –1810) – mit vollem Namen Auguste Wilhelmine Amalie Luise, Prinzessin zu Mecklenburg-Strelitz – gehört noch heute zu den bekanntesten Persönlichkeiten Preußens. Als politische Ratgeberin stand sie ihrem Ehemann nach der schweren Niederlage Preußens gegen Napoleon 1806 zur Seite. Auch an den Stein-Hardenberg‘schen Reformprozessen war sie beteiligt. Die von Dittmar ausgeführte Miniaturmalerei geht auf ein Pastell von Johann Heinrich Schröder aus dem Jahr 1806 zurück. Luise, die nur 34 Jahre alt wurde, galt zu dieser Zeit bereits als Sinnbild für die Erhebung Preußens.

Friedrich Ludwig Karl von Preußen (1773 – 1796), Prinz von Preußen, um 1795. Aquarell, Gouache auf Elfenbein; 5,3 x 5,1 cm © Stadtmuseum Berlin | Foto: Katharina Plate

Friedrich Ludwig Karl von Preußen, genannt „Prinz Louis“

Eine weitere Miniatur der Grafischen Sammlung zeigt ein wohl um 1795 von Martz (?) signiertes Porträt des Prinzen Friedrich Ludwig Karl von Preußen (1773 – 1796), dem Lieblingsbruder von Friedrich Wilhelm III. 1793 heiratete er die jüngere Schwester von Königin Luise, Prinzessin Friederike von Mecklenburg-Strelitz (1778 – 1841), die der Kronprinz vor seiner Entscheidung für Luise selbst als Braut in Betracht gezogen hatte. Doch die Ehe war nur von kurzer Dauer: 1796 starb „Prinz Louis“ unerwartet an Diphtherie. 

Wilhelm I. (1797 – 1888), König von Preußen und Deutscher Kaiser, um 1860. Aquarell, Gouache auf Elfenbein; 6,0 x 5,1 cm; original Klappetui mit graviertem Messingrahmen, innen ausgeschlagen mit lila Samt und Moiré; 11,0 x 8,5 cm

Kaiser Wilhelm I. 

Mit einem Porträt von Wilhelm I. (1797 – 1888), dem zweitältesten Sohn von Königin Luise, endet die Reihe unserer Hohenzollern-Miniaturen. Geschaffen hat es der Berliner Künstler Wilhelm Devrient (1799 – 1866). Der Porträtierte Wilhelm I., seit 1861 König von Preußen und von 1871 bis 1888 Deutscher Kaiser, hatte bereits 1859 die Regentschaft für seinen erkrankten Bruder Friedrich Wilhelm IV. (1795 – 1861) übernommen. Nach dessen Tod folgte er dem kinderlosen König auf den preußischen Thron. Unter seiner restaurativen Führung und an der Seite des ersten Reichskanzlers Fürst Otto von Bismarck gelang es ihm, Preußen durch drei Einigungskriege auf den Gipfel seiner Macht zu bringen: 1864 mit Österreich gegen Dänemark im Kampf um Schleswig-Holstein, 1866 im Streit um dessen Verwaltung gegen Österreich und 1870/71 gegen Frankreich wegen der umstrittenen spanischen Thronfolge, die dem katholischen Zweig der Familie Hohenzollern angeboten worden war. Am Ende dreifach siegreich, wurde Wilhelm am 18. Januar 1871 – also genau am 170. Jahrestag der Krönung des ersten preußischen Königs – im Spiegelsaal von Versailles zum ersten deutschen Kaiser proklamiert.

Mit dieser Darstellung endet die Reihe der Hohenzollern-Miniaturen, denn in der Herrschaftszeit Wilhelms I. war die große Ära der kleinen Bilder vorbei. Die Fotografie trat nun ihren Siegeszug an, auch im Bereich der Herrscherporträts. Aber das ist eine andere Geschichte. 

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