März 2016

Osterbräuche in Deutschland

Osterei & Co. in Museumsstücken und Überlieferung

Die deutschen Osterbräuche sind so bunt und vielfältig wie die bemalten Eier, die man sich bei uns zu dieser Zeit des Jahres schenkt. Dabei reichen die Wurzeln des landauf, landab gelebten Brauchtums weit in die Vergangenheit – bis ins Mittelalter und darüber hinaus. Machen Sie mit uns einen Ausflug in die Welt der Osterbräuche und lernen Sie einige Schätze aus unseren Sammlungen kennen, die teils nicht öffentlich zu sehen sind.

Das Osterei

Zweiteiliges Holz-Osterei zum Befüllen, 2. Hälfte 19. Jahrhundert © Stadtmuseum Berlin

Im Mittelpunkt der Osterzeit steht zweifelsfrei das Osterei. Bereits in der Antike galt das Ei als Sinnbild des Lebens und der Fruchtbarkeit. Im Christentum wurde es zum Symbol der Auferstehung Christi: So wie sich neues Leben aus dem äußerlich tot erscheinenden Ei entwickelt, so entstieg nach der christlichen Überlieferung Jesus dem Grab. Die katholische Kirche hat daher das Ei schon früh in die Osterliturgie eingebunden. Traditionell wurde es rot gefärbt, später aber auch kunstvoll bemalt oder dem herrschenden Zeitgeist entsprechend geschmückt. Da es Christen in der Fastenzeit vor Ostern verboten war Eier zu essen, wurden die Ostereier hartgekocht und zum späteren Verzehr aufbewahrt oder verschenkt.  

Der Osterhase und andere Eierbringer

Im Osterbrauchtum ist das Osterei untrennbar mit dem Osterhasen verknüpft. Der Grund ist eine ganz ähnliche symbolische Bedeutung: Schon bei den Römern galt der Hase aufgrund seiner schnellen Fortpflanzung als Symbol der Fruchtbarkeit. Die Weibchen des Feldhasen bringen bis zu vier Würfe im Jahr zur Welt. Die rasche Geburtenfolge erreichen sie durch „Schachtelträchtigkeit“: Die Häsinnen können gleichzeitig zwei Würfe unterschiedlichen Entwicklungsstandes in der Gebärmutter tragen, die in kurzer Folge geboren werden. Im christlichen Glauben wurde der Hase als Auferstehungssymbol gedeutet, weil man irrtümlich annahm, Hasen schliefen mit offenen Augen. 

Feldhase (Lepus europaeus), Tierpräparat, 1996 © Stadtmuseum Berlin

Im Mittelalter war es in  Deutschland üblich, Pacht und andere Abgaben zweimal jährlich in Naturalien zu bezahlen. Einer der Zahltermine war Gründonnerstag. Ein Teil der Pacht konnte mit hartgekochten Eiern bezahlt werden. Doch auch Hasen dienten oft als Pachtzins. Die zeitliche Zusammenführung von Eiern und Hasen am Gründonnerstag sowie deren gleiche Bedeutung als Symbole für Auferstehung und Fruchtbarkeit haben vermutlich zur Entstehung des Osterhasen geführt. Der „Osterhase“ lässt sich das erste Mal in der 1682 erschienenen Schrift „De ovis paschalibus – Von Oster-Eyern“ nachweisen. Der Heidelberger Mediziner Georg Franck beschreibt darin, dass es in den protestantischen Gebieten von Westfalen, der Pfalz und im Elsass Brauch sei, den Kindern weis zu machen, der Osterhase lege die Eier. Das katholische Osterei wurde dadurch verweltlicht. Allerdings war der Osterhase lange Zeit nicht allein für die Ostereier zuständig. 

Junger Rotfuchs (Vulpes vulpes), Tierpräparat, 1990 © Stadtmuseum Berlin

In vielen Gegenden Deutschlands brachten andere Tiere die Eier: in Hannover der Fuchs, in Thüringen und Schleswig-Holstein der Hahn, an der niederländischen Grenze Ostervogel oder Kranich. Auch Storch, Kuckuck, Osterhenne, Osterlamm und Roter Eiervogel galten als Eierbringer, manchmal sogar das Christkind oder der Nikolaus. Am beliebtesten war aber der Osterhase, der in der Welt der Osterbräuche inzwischen alle Konkurrenten verdrängt hat. 

Osterwasser

Das Osterwasser wird in der Nacht zum Ostersonntag von jungen Mädchen aus fließenden Gewässern gegen den Strom geschöpft. Es zu trinken oder sich damit zu benetzen soll nach altem Volksglauben die Gesundheit und die Schönheit fördern und darüber hinaus Hautkrankheiten, Sommersprossen und Warzen verschwinden lassen. Voraussetzung für die segensreiche Wirkung ist, dass das Wasser schweigend geschöpft und schweigend nach Hause getragen wird, ohne einen Tropfen zu verschütten. Das Schweigegebot darf lediglich unterbrochen werden, um beim Schöpfen ein Gebet zu murmeln. Die Jungen machten sich aus diesem Brauch einen Spaß und lauerten den Mädchen auf dem Weg nach Hause auf, um sie zu erschrecken. Wurde das Schweigegebot gebrochen, verlor das Osterwasser seine heilbringende Wirkung und die Mädchen trugen „Quasselwasser“ oder „Plapperwasser“ nach Hause.

Die Weidendammer Brücke, 1897 © Stadtmuseum Berlin | Foto: Herrmann Rückwardt

Noch im 19. Jahrhundert  wurde Osterwasser in Berlin aus öffentlichen Brunnen und aus der Spree geschöpft. Die Osterquelle in Lübars zeugt ebenfalls von diesem Brauch. An der Weidendammer Brücke, wo die Friedrichstraße die Spree überquert, wurde bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts Osterwasser geschöpft. Ernst Friedel, der Gründer des Märkischen Museums, hat den Osterbrauch Mitte des 19. Jahrhunderts noch selbst miterlebt. In seinen Erinnerungen beschreibt er, wie Soldaten an der Brücke versuchten, ihre Liebsten beim Osterwasserholen zum Lachen zu bringen. 

Osterfeuer

Schürhaken und Schaufel, um 1900 © Stadtmuseum Berlin

Das Abbrennen österlicher Scheiterhaufen ist als weltlicher Osterbrauch seit 1559 überliefert. Diese Osterfeuer galten als Abbilder der Sonne, die von nun an wieder länger und wärmer scheinen würde. In manchen Gegenden wurde das Anzünden des Osterfeuers so sehr als Sinnbild der Erneuerung verstanden, dass das Herdfeuer gelöscht und mit einer am Osterfeuer entzündeten Fackel wieder in Brand gesetzt wurde. Gelöschtes Herdfeuer symbolisierte den Tod, die neu angefachte Flamme das Leben. Außerdem wurden diesem Feuer starke Abwehrkräfte zugeschrieben: Es sollte alles Schädliche von Familie, Haus und Hof fernhalten. Kinder rieben sich die Gesichter mit der Asche des Osterfeuers ein, denn das sollte sie ein Jahr lang vor Krankheiten schützen. Der Sprung über das Feuer brachte Glück. Auch heute noch werden jedes Jahr wie in weiten Teilen Deutschlands auch in Berlin Osterfeuer entfacht.

Die Fastenzeit

Zur Vorbereitung auf das Osterfest wird im Christentum seit dem 2. Jahrhundert eine Fastenzeit vorgeschrieben. Die 40-tägige Fastenzeit von Aschermittwoch bis Karsamstag wurde auf dem Konzil von Nicäa 325 festgelegt. Nur an den Sonntagen wird während dieser Zeit nicht gefastet. Man unterscheidet Fastentage, an denen nur eine sättigende Mahlzeit erlaubt ist, und Abstinenztage, an denen Gläubige auf Fleischspeisen verzichten. Fastenspeisen waren ursprünglich Gerichte, die weder das Fleisch warmblütiger Tiere noch Ei, Milchprodukte oder tierische Fette enthalten durften. 

Eierschrank, Anfang des 20. Jahrhunderts © Stadtmuseum Berlin

Im 15. und 16. Jahrhundert wurden die Fastenregeln gelockert, so dass zunächst Milchprodukte und schließlich auch Eier gestattet wurden. Hartgekochte Eier sind gekühlt bis zu drei Monate haltbar. Sie dürfen aber nicht abgeschreckt werden, da hierbei Bakterien die Schutzhülle der Schale durchdringen können und die Eier dadurch verderben. Kühlungsmöglichkeiten waren Eiskeller und so genannte Erdmieten (vor Nässe und Schädlingen geschützte Erdlöcher). Bis in den Frühsommer herrschen darin sehr kühle Temperaturen. Zur Aufbewahrung größerer Mengen von Eiern gab es spezielle Eierschränkchen.

Fastenspeisen

Ringelgans (Branta bernicla), Tierpräparat, 1989 © Stadtmuseum Berlin

In der Fastenzeit war der Verzehr von Fleisch warmblütiger Tiere (Säugetiere und Vögel) streng verboten. Nur Fisch galt als fastentauglich, da er wenig blutet. Zum Fisch zählte man jedoch auch alle Tiere, die im Wasser lebten. Das waren nicht nur Krebse, Muscheln, Schnecken, Frösche und Sumpfschildkröten, sondern auch Wildenten, Reiher und im Wasser lebende Säugetiere wie der Fischotter. Auch der Biber war im Mittelalter eine beliebte Fastenspeise, nachdem er vom Klerus auf Grund seines schuppigen Schwanzes den Fischen zugeordnet worden war.

Präparat einer Entenmuschel aus der Naturwissenschaftlichen Sammlung © Stadtmuseum Berlin

Überhaupt verließ man sich bei der biologischen Einordnung auf den Augenschein. So war im Mittelalter die Ansicht weit verbreitet, Gänse und Enten wüchsen auf Bäumen und seien dementsprechend pflanzlicher Herkunft. Sie waren daher eine beliebte Fastenspeise. Man nahm an, die Ringelgans und die Weißwangengans, deren Brutgebiete man nicht kannte und die in Deutschland nur als Wintergast vorkommen, entwickelten sich an Gänsebäumen. Die manchmal auf Treibholz angespülten Entenmuscheln (eine Krebsart) wurden als unreife Gänsefrüchte gedeutet, da sie Ähnlichkeiten mit Gänsen aufwiesen. So entstand aus dem schottischen Wort barnacle für Muschel der wissenschaftliche Beiname bernicla für die Ringelgans. Die Weißwangengans heißt heute noch englisch barnacle goose

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Kontakt

Dr. Beate Witzel

Sammlungsbetreuerin

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