Stadt im Wandel | Klaus Goldmann

Schon uralter Landesausbau im Berliner Raum?

Als ich 1970 zum Museum für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen kam, war meine erste Aufgabe, die Ausgrabungsleitung auf dem slawischen Burgwall von Spandau zu übernehmen. Dort gewonnene Ergebnisse führten zu neuen Fragestellungen zur Landschaftsgeschichte Berlins, die bis heute nicht eindeutig beantwortet werden konnten und sicher auch mit der Klimaentwicklung in den Jahrhunderten um 1000 n. Chr. zusammenhängen. Diese ausgeprägte Wärmephase kann der heutigen durchaus entsprochen haben.

Der Befund: Die Holzkonstruktion der Burgwallinsel geriet um die Mitte des 10. Jahrhunderts unter Wasser, weshalb das Siedlungsniveau mit zehntausenden Kubikmetern Sand erhöht werden musste. Der Burgwall, unterhalb der Zitadelle im Mündungsgebiet der Spree in die Havel gelegen, blieb dann bis in spätslawische Zeit bedeutend. Weshalb gerade dort die Erhöhung des Wasserstands der Havel in einer ausgesprochenen klimatischen Trockenphase? In einer Region, die bis heute durch einen sehr niedrigen Jahresniederschlag von 500/600 mm. geprägt ist? Hier ist als sehr wahrscheinlich der um 950 n.Chr. erfolgte Bau der Staustufe der Havel bei Brandenburg/Havel durch Albrecht den Bären die Ursache, wodurch bei dem überaus geringen Gefälle im Urstromtal sich dieser Havelstau bis Spandau auswirkte. Erst mit der „Christianisierung“ der weiter östlichen Gebiete im 12. Jahrhundert wurde die ganze Region durch den mittelalterlichen Mühlenstau, also dem ungebremsten Bau von Wassermühlen selbst an kleinen Flüssen, systematisch vernässt, versumpfte danach, und alle alten Wasserwege, auf denen der Handelsverkehr zuvor ablief, wurden gekappt.

Die zuvor beschriebenen Einflussnahmen auf die Systeme der märkischen Fließgewässer veränderten mit Sicherheit auch ihrerseits das regionale Klima und damit die Landschaftsentwicklung, welche erst durch die großen Meliorierungen durch die preußischen Herrscher seit dem 16. Jh. wieder teilweise rückgängig gemacht wurden. .Aus sumpfigen „Naturland“ wurde wieder fruchtbares Kulturland. Dies war allerdings nicht erst in slawischer Zeit entstanden, sicher aber ausgebaut worden – den größten Entwicklungsschub zur Kulturlandschaft mit „goldenen Auen“ geschah aber bereits während der Bronzezeit in den Jahrhunderten um 1000 v. Chr., in der auch in allen Ländern der Kulturen um das Mittelmeer als Folge der weltweiten Klimaänderung systematische Wasserbauten erfolgten. Der Berliner Raum und in weitestem Sinn dessen Umland war offenbar bereits zur Bronzezeit vor über 3000 Jahren eingebunden in die alteuropäische Zivilisation.

Nicht die „Stadtgeschichte“, jedoch die Landesgeschichte Berlins und seines Umlands, reichen im Gegensatz zur Lehrmeinung Jahrtausende in die Vergangenheit zurück - eine Forschungsaufgabe, die für die Berliner Universitäten und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen bisher nicht wahrgenommen wurde (vgl. hierzu auch Jahrbuch 2002 S. 217 ff. des Stadtmuseums Berlin). .

Klaus Goldmann

Hochgeladen: 25.10.2013
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Kategorie

Stadt im Wandel

Zeitpunkt

01.01.1970 (geschätzt)

Ort

52.5400524
13.212435700000015
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