Erich Wonder – T/Raumbilder für Heiner Müller

Akademie der Künste, Pariser Platz

Ausstellung: 16.1. – 13.3.2022

Die Sonderausstellung in der Akademie der Künste am Pariser Platz stellt die Zusammenarbeit des österreichischen Bühnenbildners Erich Wonder (geb. *1944) mit dem Ost-Berliner Dramatiker und Dichter Heiner Müller (1929 – 1995) in den Mittelpunkt. Mit dabei: Original-Kostüme und -Objekte aus der Theatersammlung des Stadtmuseums Berlin.

Szene aus „Hamlet/Maschine“ mit Horst Weinheimer als Fortinbras (hinten), Deutsches Theater 1990 © Stadtmuseum Berlin | Foto: Ludwig Binder

Mitte der 1970er Jahre trafen der Dichter Heiner Müller und der Bühnenbildner Erich Wonder am Schauspiel Frankfurt zum ersten Mal aufeinander. Es entstand eine Arbeitsfreundschaft, die bis zu Müllers Tod andauern sollte. Geprägt waren beide Künstler von unterschiedlichsten politischen und ästhetischen Erfahrungen, eine Fremdheit, die produktiver Motor ihrer Zusammenarbeit wurde. Während der Burgenländer Erich Wonder vor dem Hintergrund der politischen Auseinandersetzungen in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts die Realität der Städte in die schwarzen Kästen der (west-)deutschen Stadttheater brachte, stießen die Stücke des Sachsen Heiner Müller an die Grenzen der kleingeistigen DDR-Kulturpolitik. Müllers Wirkung strahlte schnell über den deutschen Sprachraum hinaus, er wurde zu einer wichtigen intellektuellen Größe der europäischen Kultur. Die solitäre Begegnung dieser beiden Künstler führte zu Theaterarbeiten, die Maßstäbe setzten, weil sie die politische Entwicklung in beiden Teilen und im wiedervereinigten Deutschland auf ästhetisch atemberaubende Weise spiegelte. Die Ausstellung am Pariser Platz zeigt diese Arbeitsprozesse in größtenteils zum ersten Mal präsentierten Bildern, Objekten, Skizzen und Filmen, sie macht das Denken zweier Ausnahmekünstler sichtbar – eine Erinnerung für die Zukunft.

Schnappschuss aus dem Depot: Die Kostümplastik des Fortinbras aus nächster Nähe © Stadtmuseum Berlin

Fortinbras‘ Kostümplastik und das Kleid der Gertrud

In seiner Theatersammlung bewahrt das Stadtmuseum Berlin unter mehr als 30.000 Objekten und zwei Millionen fotografischen Negativen zahlreiche Original-Kostüme, Bühnenbilder sowie weitere Objekte und Fotografien aus dem Berliner Theaterbetrieb. Dazu gehören auch Kostüme und Objekte aus dem Stück „Hamlet/Maschine“ (Deutsches Theater, März 1990) unter der Regie von Heiner Müller. Die achtstündige Inszenierung wird bis heute als „Epochenzäsur“ in seinem Werk gelesen. Der „Riss zwischen zwei Epochen“, in dem Hamlet untergeht, kann auch als Kommentar auf den Mauerfall und das Ende der DDR gedeutet werden, zumal die Proben genau zum Zeitpunkt der Wende stattfanden. Grundlage ist der Text „Hamletmaschine“, den Müller bereits 1977 geschrieben hatte. Der Text war der Beginn seiner Auseinandersetzung mit Stücken von Shakespeare.

In der Ausstellung am Pariser Platz vertreten ist das Stadtmuseum Berlin mit dem Szenenablaufplan des Bühnenbildners Erich Wonder, Kostümentwürfen (Figurinen) der Kostümbildnerin Christine Stromberg sowie der Kostümplastik des Hauptmann Fortinbras (gespielt von Horst Weinheimer), dem Hut von Ophelia (getragen von Margarita Broich) und dem Kleid der Gertrud (gespielt von Dagmar Manzel).

Text: Akademie der Künste, Melanie Huber

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Akademie der Künste, Pariser Platz

Öffnungszeiten

Di – So | 11 – 19 Uhr

Eintrittspreis

9 Euro, ermäßigt 6 Euro

Hinweis: Eintritt frei am Sonntag, 16. Januar 2022, dienstags ab 15 Uhr und jeden ersten Sonntag im Monat sowie für Besucher:innen bis 18 Jahre

Adresse

Pariser Platz 4
10117
Berlin-Mitte

Anfahrt

Informationen zur Anfahrt auf der Website der Akademie der Künste

Kontakt

Bärbel Reißmann

Sammlungsbetreuerin Theater

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