Die interviewte Sibylle Jazra auf einem Stuhl auf einer Wiese unter Bäumen
 

Wir sind viele.

Leben in Berlin

Mit einem Video-Interview-Projekt richtet die Berliner Künstlerin Sonya Schönberger ihr Augenmerk auf Karlshorst. Menschen, die dort viele Jahren leben oder gelebt haben, erzählen vom Alltag und von den Veränderungen in diesem Teil des Berliner Bezirks Lichtenberg.

Die Geschichte von Karlshorst ist in besonderer Weise von den Ereignissen des 20. Jahrhunderts geprägt worden. Seit 1920 ist der bis dahin zur Gemeinde Friedrichsfelde gehörende Villenvorort ein Ortsteil des damals neu gegründeten Stadtbezirks Lichtenberg. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde ein Teil von Karlshorst zum Hauptquartier der sowjetischen Streitkräfte – teilweise abgesperrt und für die Bevölkerung nicht mehr zugänglich. Nach dem Mauerfall und dem Abzug der Streitkräfte der Russischen Föderation 1994 setzte eine neue Entwicklungsdynamik ein. Als beliebter Wohnort im Grünen zieht seither Karlshorst immer mehr Menschen an, und die Bebauung wird zunehmend verdichtet.

In Zusammenarbeit mit dem Karlshorster Kulturzentrum KAHO ist die Berliner Künstlerin Sonya Schönberger auf eine Spurensuche gegangen. Im Interview mit Alteingesessenen, Zu- oder Weggezogenen wollte sie herausfinden, wie sich diese Veränderungen im Lebensalltag der Befragten widerspiegeln und wie sie selbst diese Entwicklung wahrnehmen.

Die Interviews mit Klaus Borde, Sibylle Jazra, Michael Laschke, Georgina Oswald und Christa Peter sind Teil des Video-Archivs Berliner Zimmer, das Sonya Schönberger 2018 in Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum Berlin begonnen hat. Dieses ständig wachsende Archiv aus Video-Interviews mit Menschen aus der Stadt ist jederzeit online zugänglich und darüber hinaus ein digitaler Bestandteil der Sammlung des Stadtmuseums Berlin.

Sibylle Jazra
27.07.2021 | Karlshorst
„Damals fühlte sich das so an, ich ziehe jetzt nach Karlshorst, ich ziehe in eine andere Stadt.“

Sibylle Jazra kam nach dem Studium 1998 nach Berlin und begann hier als Künstlerin zu arbeiten. Ihre ersten Wohnorte waren in Mitte, Prenzlauer Berg, Wedding und Neukölln, bis sie sich dann, inzwischen mit Kindern, für Karlshorst entschied. Sie fragt, wie Alteingesessene mit den Zugezogenen und wachsendem Verkehr zurechtkommen.

Georgina Oswald
25.6.2021 | Karlshorst
„Ich krieg die Ruinen nicht mehr ganz zusammen, wo wir gespielt haben. Aber die waren unser Spielplatz.“

Georgina Oswald wurde drei Jahre nach Kriegsende in Karlshorst geboren. Ruinen waren ihre Spielplätze. Sie erinnert sich an die bedrohliche Situation um den 17. Juni 1953, als sowjetische Panzer aus dem Sperrgebiet ausrückten. Seit 1989 lebt sie in Bayern und zeitweise in Berlin.

Klaus Borde
21.07.2021 | Karlshorst
„Meine Leidenschaft war der Sport.“

Der Berliner Klaus Borde lebt seit 1972 in Karlshorst. Bereits als Kind war er begeisterter Sportler. Er war Turner, Trainer und Sportlehrer. Im Bürgerverein engagiert er sich dafür, dass Karlshorst ein lebenswertes Quartier bleibt.

Christa Peter
27.07.2021| Karlshorst
„Jeden Tag sind wir in den Trümmern der Frankfurter Allee herumgelaufen.“

Christa Peter wurde in Berlin geboren. Als Kind hat sie die Kriegsereignisse in Friedrichshain miterlebt. Bei einem Bombenangriff wurde die Wohnung zerstört, ihre Familie konnte sich retten. Sie kam als junge Frau durch ihre Heirat nach Karlshorst.

Michael Laschke
21.07.2021 | Karlshorst

„Ich habe von Anfang an versucht, mich gesellschaftlich zu engagieren in Karlshorst.“

Michael Laschkes Verbindung mit Karlshorst begann 1961 mit dem Studium an der Hochschule für Ökonomie. Dort unterrichtete er später auch als Dozent. Er hat die Veränderungen des Stadtteils erlebt, angefangen bei der Aufhebung des militärischen Sperrbezirks 1963 über die Umbruchsituation nach 1990 bis zum aktuellen Wohnungsneubau.

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Dr. Nele Güntheroth

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