16.05.2018

Leben im Mittelalter

Pressemitteilung

Neue Dauerausstellung im Museumsdorf Düppel

Eine völlig neu konzipierte Dauerausstellung bildet den Auftakt zur Weiterentwicklung des Museumsdorfes Düppel. Im Zuge der Professionalisierung des Standortes wurden die inhaltlichen Ausstellungsebenen neu durchdacht. Deutlich gestiegene Besucherzahlen zeigen, dass die neuen Ansätze in der Vermittlung, das vielfältige Veranstaltungsprogramm und die Positionierung als experimentelles Freilichtlabor für die Erforschung des Mittelalters in Berlin bereits ihre Wirkung entfalten. In den kommenden drei Jahren soll in einem zweiten Schritt auch der gesamte Freilichtbereich neu erschlossen werden. Partizipativ gestaltete Themeninseln laden die Besucherinnen und Besucher dann zum Nachdenken und Mitmachen ein.

„Mit der neuen Dauerausstellung ist ein erster wichtiger Schritt bei der Umsetzung des neuen Betriebskonzepts getan. Die Neuerschließung des Außenbereichs ist der nächste Schritt, um das Museumsdorf Düppel zu einem Ort der Zukunft zu machen“, so Paul Spies, Direktor im Stadtmuseum Berlin. „Hier lassen sich Trends verknüpfen, die insbesondere im Alltagsleben einer Großstadt eine immer größere Rolle spielen werden. Im Sinne einer zukunftsorientierten Stadtentwicklung wollen wir hier Themen wie Ökologie und Nachhaltigkeit vermitteln.“

Als Freilichtmuseum zieht das Museumsdorf im Berliner Stadtteil Zehlendorf andere Zielgruppen als die übrigen Standorte des Stadtmuseums Berlin an. Das mittelalterliche Dorf im Grünen wird vor allem von Familien mit Kindern bis zum Grundschulalter als Ausflugsziel geschätzt. In der neuen Dauerausstellung sollen die Inhalte deshalb leicht verständlich und emotional zugänglich sein. Bisher wurde vor allem die Arbeit der einzelnen handwerklichen Arbeitsgruppen des Fördererkreises Museumsdorf Düppel e. V. vorgestellt. Die archäologischen Funde und der kulturgeschichtliche Kontext der Zeit um 1200 wurden hingegen kaum thematisiert. In der neuen Dauerausstellung sollen die Funde nun einen hohen Stellenwert einnehmen, da sie lebendig und anschaulich die Geschichte des Alltags in einem Dorf erzählen, das sich zeitgleich mit der entstehenden Doppelstadt Berlin-Cölln entwickelte.

In der neuen Dauerausstellung werden die Objekte künftig den Kern der Narration bilden. Die Arbeit der Vereinsmitglieder kann ihre Wirkung viel lebendiger im unmittelbaren Kontext des Freilichtbereichs mit seinen modellhaften Häusern und Werkstätten entfalten. Den Bogen zwischen Innen- und Außenbereich schlägt eine einführende Medienstation: Zum Einstieg in die Ausstellung erzählt sie anhand chronologisch geordneter Fotografien die Geschichte des Fördererkreises und des Museumsdorfes selbst.

Nach einer Einführung zur Vereinsgeschichte folgen vier Stationen, die zum Mitmachen einladen. Die erste zeigt, mit welchen wissenschaftlichen Methoden das lebendige mittelalterliche Dorf rekonstruiert wurde, und die Besucherinnen und Besucher werden angeregt, das Modell eines historischen Hauses nachzubauen. Anhand von Pollenanalysen am Mikroskop lässt sich nachvollziehen, was die Bewohnerinnen und Bewohner einer mittelalterlichen Siedlung angebaut und gegessen haben könnten und wie die Landschaft um sie herum ausgesehen haben mag.

Das Lackprofil einer Teerschwelgrube erklärt neben dem Prozess der Pechherstellung auch das Konzept der Experimentellen Archäologie: Erst durch die Experimente der Teerschwelgruppe des Fördererkreises konnten Archäologen eine zweite Methode der mittelalterlichen Teergewinnung in Brandenburg nachweisen. Anhand originaler Brunnenhölzer aus der historischen Siedlung lernen Besucherinnen und Besucher zudem die Methode der Dendrochronologie kennen. Sie vergleicht die Wachstumsringe von Bäumen mit bereits datierten Baumringmustern und ermöglicht so Aussagen über das wahrscheinliche Alter der aus den Hölzern errichteten Konstruktionen.

Um in den kulturgeschichtlichen Kontext sowie das politische Umfeld der mittelalterlichen Siedlung am Krummen Fenn einzuführen, wird anhand typisch slawischer und typisch „deutscher“ Funde die Ost-Besiedlung um 1200 erklärt. Es wird thematisiert, wie das slawische Siedlungsgebiet mit Gewalt christianisiert und durch die gezielte Aufsiedlung durch deutsche Einwanderer unwiderruflich verändert wurde. Die Grabungsergebnisse aus Düppel legen nahe, dass hier Slawen und auch deutsche Siedler gelebt haben.

Der Alltag im mittelalterlichen Düppel wird anhand von sechs fiktiven Dorfbewohnerinnen und -bewohnern in Verbindung mit archäologischen Funden zum Leben erweckt. Die Personen werden den Besucherinnen und Besuchern als lebensgroße Illustration gegenüberstehen und über eine Audiostation aus ihrem Alltag berichten. Ein Zeitstrahl am Ende der Ausstellung erleichtert den Besuchergruppen und vor allem Schulklassen die zeitliche Verortung des Mittelalters. Unter einer linearen Zeitachse erwecken Schaukästen sieben Zeitabschnitte seit der letzten Eiszeit zum Leben.

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Kontakt

Judith Kuhn

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

030 24002 215

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Leben im Mittelalter | Museumsdorf Düppel