19.09.2019

Fontanes Berlin

Pressemitteilung

Fotografien & Schriften | Fiktion & Wirklichkeit

Der 200. Geburtstag Theodor Fontanes (1819–1898) ist Anlass für eine Foto-Ausstellung im Märkischen Museum in Berlin. Bei der Eröffnung 1908 widmete das Museum dem Dichter mit dem „Fontane-Zimmer“ einen musealen Gedenkraum. Nun zeigt es anhand von Fotografien und Schriften Fontanes Berlin.

Theodor Fontane hat in seinen Werken wie niemand sonst Berlin beschrieben, wo er mit Unter-brechungen 65 Jahre verbrachte. Er erlebte, wie sich die königliche Residenz zur Reichshauptstadt und Metropole wandelte – eine Epoche tiefgreifender Umbrüche, die das Erscheinungsbild der Stadt einschneidend veränderten. Seit dieser Zeit ist Berlin vielfach überformt worden.

 

Berlin-Fotografie in Vergangenheit und Gegenwart

Die Ausstellung zeigt rund 130 herausragende Aufnahmen von zwölf Pionieren der Stadtbildfotografie aus der Fotografischen Sammlung des Stadtmuseums Berlin: angefangen beim zuerst als Maler und Lithograf tätigen Leopold Ahrendts über den Altmeister der Berliner Stadtbildfotografie F. Albert Schwartz und den Illustrationsfotografen Hugo Rudolphy bis hin zum Grafiker und Zeichner Heinrich Zille. Nach der posthumen Entdeckung seines fotografischen Werkes ging er als „Fotograf der Moderne“ (Enno Kaufhold) in die Berliner Fotografie-Geschichte ein. Vertreter der Dokumentarfotografie – wie Georg Bartels – und der Kunstfotografie – wie der Heliograf Otto Rau – stehen neben Verlegern touristischer Weltstadt-Bilder. Einzigartig ist Marie Panckow, die sich zu Lebzeiten hinter dem Kürzel M. Panckow verbarg und in den 1870er Jahren als vermutlich einzige Frau ein Atelier für Architekturfotografie in Berlin führte. Sie alle haben zu Fontanes Zeit mit dem jungen Medium Fotografie Berlin im Bild festgehalten. So wird heute noch sichtbar, wie Fontane die Stadt in seinen Werken poetisch verdichtet hat.

Den Bogen in die Gegenwart spannen fast 70 Schwarz-Weiß- und Farb-Aufnahmen des Berliner Fotografen Lorenz Kienzle, der sich seit 2002 in seinem Bild-Zyklus „Tatort Fontane“ fotografisch mit den Romanen Fontanes befasst. Im Rahmen dieses Langzeitprojekts suchte er mit der analogen Großbildkamera Roman-Schauplätze auf, die er für diese erste Ausstellung in Berlin um Portraits erweiterte. In „Tatort Fontane. Orte und Gesichter“ stellt er den Bildern der gewandelten Orte ausgewählte Fontane-Zitate gegenüber. Sein vielschichtiges, poetisches Werk thematisiert den immerwährenden Umbruch der von Menschen gestalteten Räume. So erscheint in seinen Bildern zuweilen einzig die Natur als beständig – und die Spree als der ewige Fluss der Geschichte. Fiktion und Wirklichkeit treffen in der Ausstellung aufeinander.

Im Zuge der Entwicklung des Stadtmuseums Berlin hin zu einem partizipativen Museum zeigen Berliner Jugendliche des Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Gymnasiums (Prenzlauer Berg) und der Carl-von-Ossietzky-Schule (Kreuzberg) als Junior-Kuratoren im Museum die Ergebnisse ihrer Auseinandersetzung mit Berlin und Fontanes Beschreibungen der Stadt. Unter dem Titel BlendPunktAtelier haben die 15- bis 18-Jährigen mit Kamera, Stift und Schreibblock Schauplätze aus Fontanes Romanen aufgesucht und für die Ausstellung in Bild und Wort künstlerisch verarbeitet. Raum- und Sound-Installationen sowie eine Licht- und Video-Installation an der Fontane-Statue in der Großen Halle des Museums zeigen zudem ihre gegenwärtige Sicht auf den Dichter und sein Werk. Zwei Mentorinnen für Junior-Kuratoren haben die Jugendlichen bei diesem Beteiligungsprojekt begleitet.

 

Fotografische Schätze und originale Manuskripte

Die Schau präsentiert Spitzenstücke aus der inzwischen 145-jährigen Sammeltätigkeit der Fotografischen Sammlung des Stadtmuseums Berlin. Sie ist eine der ältesten der Stadt und umfasst heute mehr als 1 Million Bilder. Im Auftrag der Stadtgesellschaft widmet sie sich als fotografisches Gedächtnis seit 1874 ganz besonders der Berliner Stadtbildfotografie. Eine der frühesten Ereignisfotografien (Grundsteinlegung des Berliner Rathauses von Leopold Ahrendts, 1861) und die ersten Luftaufnahmen Deutschlands (Hugo vom Hagen, 1886) sind ebenso zu sehen wie für ihre Zeit spektakuläre Nachtaufnahmen (Illuminationen zur Centenarfeier von Hugo Rudolphy, 1897) und beeindruckende Bilder der Veränderung Berlins (Bau der Kaiser-Wilhelm-Brücke von Hermann Rückwardt, 1887).

Originale Handschriften Fontanes und Zitate begleiten die Bilderschau. 1902 wurden die Manuskripte der zu Lebzeiten des Dichters erschienenen Werke dem Museum übergeben, das seit 1995 zur Stiftung Stadtmuseum Berlin gehört. Einzelne Blätter aus „Vor dem Sturm“, „Frau Jenny Treibel“, „Von Zwanzig bis Dreißig“ und „Effi Briest“ werden im Rahmen der Ausstellung ebenso präsentiert wie Banderolen, in denen der Dichter seine Manuskripte aufbewahrte. Außerdem erfahren Besucherinnen und Besucher, wie die fragilen Manuskripte in den vergangenen Jahren restauriert worden sind und welche Möglichkeiten die noch laufende Digitalisierung dieser einzigartigen, bald öffentlich zugänglichen Kulturgüter bietet.

 

Eine Ausstellung im Rahmen von »fontane.200«, dem Themenjahr 2019 des Kulturlands Brandenburg.

< Zurück zur Übersicht

Kontakt

Judith Kuhn

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

030 24002 215

Kontakt

Sabrina Greifenhofer

Programmredaktion

030 24002 273