Kunst-Stoff Bakelit

Objekte aus der Sammlung Alltagskultur des Stadtmuseums Berlin

Bakelit-Objekte aus der Sammlung Alltagskultur des Stadtmuseums Berlin
© Stadtmuseum Berlin

Bakelit, der erste vollsynthetische Kunststoff, veränderte als Werkstoff am Anfang des 20. Jahrhunderts die industrielle Entwicklung auf den Gebieten der Elektrizität, des Fahrzeugbaus und der Rundfunktechnik. Gerade seine Beständigkeit gegenüber Säuren, Hitze und seine Formbeständigkeit ließen Bakelit zu einem idealen Material für Industrie und Haushalt werden. Der Ausgangsstoff war kostengünstig, die Produkte sahen ansprechend aus und waren für jedermann erschwinglich.

Auch der private Haushalt veränderte sich  – neue Formen und Möglichkeiten der Verarbeitung eröffneten preiswerte Alternativen für den Kunden. Die elektrischen Haushaltshelfer und der Rundfunkapparat hielten Einzug in den normalen Haushalt. Viele Gebrauchsartikel wurden dank Bakelit leichter, sodass der neue Kunststoff die bisher verwendeten Materialien, wie Porzellan, Metall und andere schwere Werkstoffe, teilweise ablöste.

Dennoch herrschte in der Bevölkerung immer ein gewisses Misstrauen gegenüber Produkten aus Bakelit, speziell im Zusammenhang mit Lebensmiteln. Bakelit-Gegenstände verströmen einen Phenol-Geruch, der sich auch nach Jahren nicht verliert. Heute weiß man, dass die Skepsis dem Bakelit gegenüber berechtigt war, denn Phenol ist krebserregend. Trotzdem blieb die Werkstoffkarriere des Bakelits vom Erfolg gekrönt, und seine Nachfolgeprodukte werden bis in die heutige zeit für viele technische Anwendungen eingesetzt.

Kunststoffe
Der erste vollsynthetische Kunststoff Bakelit, benannt nach dem belgischen Chemiker Leo Hendrik Baekeland, revolutionierte das Alltagsleben so umfassend, dass im Volksmund bis in die 1950er Jahre alle Kunststoffe als Bakelit bezeichnet wurden. Erst durch US-amerikanischen Einfluss setzt sich später der Begriff Plastik als Sammelbegriff für Kunststoffe durch.

Da Produkte aus Naturrohstoffen, wie Elfenbein und Edelhölzer, zu teuer und nicht in ausreichender Menge vorhanden waren, suchte man nach Ersatzstoffen, die edles Material vortäuschten und die Erzeugnisse für die breite Masse der Konsumenten erschwinglich machten. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurden mit neuen industriellen Herstellungsverfahren und neu entwickelten Ersatzstoffen aus Naturprodukten, wie Weichgummi, Linoleum, Celluloid und Galalith, Gegenstände in Massenproduktion gefertigt. Seit 1900 verwendet man für eine Vielzahl plastisch formbarer Massen den Oberbegriff Kunststoff.

Im 20. Jahrhundert gewannen die synthetischen Kunststoffe, zum Beispiel Bakelit, Igelit, Plexiglas und Nylon bzw. Perlon, an Bedeutung. Sie haben die alten Werkstoffe nicht überflüssig gemacht, sondern durch ihre andersartigen Eigenschaften neue Anwendungsmöglichkeiten geschaffen. Die Technik, die Wirtschaft, die Mode und die heutigen haushalte sind ohne Kunststoffe nicht mehr denkbar.

Die Bakelit-Sammlung des Stadtmuseums Berlin
Die Berliner Modedesignerin Claudia Skoda, die über Jahre mehr als 1000 Bakelit-Objekte zusammengetragen hatte, übergab ihre Sammlung in den 1990er Jahren der Sammlung Alltagskultur der Stiftung Stadtmuseum Berlin. Mit der Zeit kamen durch Ankauf und Schenkungen weitere Stücke hinzu. Die Sammlung umfasst Objekte aus den Gebieten Haushalt, Spielzeug, Raucherutensilien, Büro- und Geschäftsmaterialien, elektrische Geräte wie Mixer, Staubsauger, Haarföne, Rundfunkgeräte und Plattenspieler sowie Behältnisse.

Unter den Bakelit-Produkten befinden sich seltene Stücke der Firma AEG – Dosen und Schalen  –, die zu speziellen Anlässen gepresst wurden, sowie Tabletts der renommierten Porzellanfirma Rosenthal. Beide Unternehmen experimentierten in den 1920er Jahren mit Bakelit und anderen Kunststoffen. Bei vielen Stücken kann der Hersteller heute leider nicht mehr festgestellt werden, da entsprechende Pressmarken fehlen.