Sonya Schönberger im Gespräch mit Christian Herwartz
 

Demokratischer Alltag

Video-Interviews zur Berliner Demokratie-Geschichte

Die Vollendung der deutschen Einheit am 3. Oktober 1990 war der politische Schlussakt eines breiten demokratischen Aufbruchs in der DDR, getragen von vielen Menschen in Leipzig, Ost-Berlin und anderenorts. Zugleich bedeutete dieses Datum das Ende der Teilung Berlins. Dreißig Jahre später stellt ein Video-Projekt der Berliner Künstlerin Sonya Schönberger Menschen vor, die sich heute in Berlin für Demokratie einsetzen.

Jennifer Kamau
16.06.2020 | Kreuzberg | ca. 43 Minuten

Jennifer Kamau kam als Geflüchtete nach Berlin. Sie spricht über ihr Leben als politische Aktivistin, reflektiert ihre Familiengeschichte zwischen Stammesdenken und dem Kosmopolitismus der Großstadt Nairobi und berichtet von ihrem Engagement für die Berliner Oranienplatz-Bewegung. Dabei kritisiert sie die Doppelbödigkeit der behördlichen Regelungen und fordert eine Verbindung von Demokratie und solidarischem Handeln. Als Mitbegründerin des International Women* Space setzt sie sich für einen gesellschaftlichen Veränderungsprozess ein, der sich gegen Sexismus, Rassismus und jegliche Ausgrenzung richtet.

Josephine Apraku
22.06.2020 | Wedding | ca. 27 Minuten

Josephine Apraku, geboren 1986 in Berlin, studierte Afrikawissenschaften und Gender-Studies. Sie spricht über ihr Aufwachsen, über Diskriminierungserfahrungen, Kolonialismus und Rassismus. Als Co-Gründerin berichtet sie von ihrer Arbeit für das Institut für diskriminierungsfreie Bildung in Berlin. Mit Bezug auf die Debatte um Straßen-Umbenennungen fragt sie, ob eine Demokratie wirklich demokratisch ist, wenn sie durch Mehrheitsentscheidungen Minderheiten ausschließt.

Tamara Hentschel
23.06.2020 | Lichtenberg | ca. 45 Minuten

Kurz nachdem die gelernte Textilfacharbeiterin Tamara Hentschel nach Marzahn gezogen war, trafen dort 1987 vietnamesische Vertragsarbeiterinnen und -arbeiter ein. Als Wohnheimbetreuerin erlebte sie die Reglementierungen und die sozialen Probleme der Menschen aus Vietnam deren prekären Status nach der Wende sowie Feindseligkeiten ihnen gegenüber. Sie berichtet über ihr Engagement für eine erste Beratungsstelle und darüber, wie es zur Gründung des Vereins Reistrommel e.V. kam.

Christine Bergmann
24.06.2020 | Mitte | ca. 45 Minuten

Christine Bergmann, geboren 1939 in Dresden, studierte Pharmazie und arbeitete am Institut für Arzneimittelwesen der DDR. In der Wendezeit engagierte sie sich für einen demokratischen Wandel und trat im Dezember 1989 der Sozialdemokratischen Partei der DDR bei. Als Präsidentin der Stadtverordnetenversammlung, als Bürgermeisterin von Berlin und als Senatorin für Arbeit und Frauen gestaltete sie von 1990 an die Einheit Berlins mit.

Katalin Gennburg
25.06.2020 | Treptow | ca. 35 Minuten

Katalin Gennburg erlebte im Alter von fünf Jahren die Wende. Im Interview erzählt sie von dem Bruch, den das Ereignis für sie, ihren Freundeskreis und das soziale Umfeld in ihrer Heimatstadt Weißenfels darstellte. Seit 2016 sitzt sie für Die Linke im Berliner Abgeordnetenhaus, ist Mitglied des Parteivorstandes und Sprecherin für Stadtentwicklung, Tourismus und „Smart City“. Sie spricht über das Mietendeckel-Gesetz, die Mietpreisbremse und die Sinnhaftigkeit von Hausbesetzungen.

Gülcan Nitsch
28.07.2020 | Kreuzberg | ca. 24 Minuten

Gülcan Nitsch spricht über ihren Bildungsweg und ihre Arbeit im Umweltschutz. Die Tochter türkischer Einwanderer interessierte sich früh für Nachhaltigkeit und engagierte sich in verschiedenen Umweltschutzorganisationen, bevor sie die erste türkischsprachige Umweltgruppe Berlins gründete. In ihrer Arbeit verbindet die Biologin Naturschutz und migrantische Zivilgesellschaft und setzt sich für ein ganzheitliches Weltverständnis ein. 

Christian Herwartz
28.07.2020 | Kladow | ca. 26 Minuten

Christian Herwartz, geboren 1943, ist Jesuit. Nach seiner Zeit als Novize studierte er Theologie sowie Philosophie und ging nach Frankreich, um dort zu arbeiten, hauptsächlich als Zeitarbeiter in verschiedenen Fabriken und anderen Unternehmen. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland gründete er in Kreuzberg eine Kommunität, in der er nach Art einer Wohngemeinschaft mit Obdachlosen und Bedürftigen verschiedenster Nationalitäten zusammenlebte. 

Till Egen
30.07.2020 | Friedrichshain | ca. 39 Minuten

Till Egen, geboren 1983, kam vor zehn Jahren als Filmemacher nach Berlin. Im Zuge der Besetzung des Oranienplatzes und der Gerhart-Hauptmann-Schule begann er, sich mit Street-Work für Geflüchtete zu engagieren. Später beteiligte er sich an zivilen Seenot-Rettungsaktionen. 2019 war er als Medien-Koordinator Teil der Sea-Watch-Mission um Carola Rackete. 20 Tage lag ihr Schiff vor Lampedusa, bis trotz des bestehenden Verbots entschieden wurde, im Hafen anzulegen und die geretteten Menschen in Sicherheit zu bringen.

Hans-Christian Ströbele
07.08.2020 | Moabit | ca. 32 Minuten

Hans-Christian Ströbele, 1939 geboren, spricht über seinen Werdegang als Jurist und Politiker. Er kam in den 1960er-Jahren nach Berlin und wurde dort politisiert. Politisch aktiv war er zum Beispiel im Sozialistischen Anwaltskollektiv, bevor er schließlich vier Mal in Folge für Bündnis 90/Die Grünen in den Deutschen Bundestag gewählt wurde. Im Interview spricht er unter anderem über die parlamentarische Demokratie, die Wiedervereinigung und den deutschen Auslandseinsatz in Afghanistan. 

Niloufar Tajeri
18.08.2020 | Kreuzberg | ca. 45 Minuten

Niloufar Tajeri kam mit fünf Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland. Studien- und Arbeitsaufenthalte im Ausland bewegten sie dazu, dem klassischen Werdegang einer Architektin nicht weiter zu folgen, sondern sich der Architekturtheorie und Fragen der Stadtentwicklung zu widmen. 2009 zog sie nach Neukölln und beobachtet seither die Veränderung dieses Bezirks. Nach Bekanntgabe der Pläne zur Rekonstruktion des Karstadt-Gebäudes am Hermannplatz gründete sie eine Kiez-Initiative, die über Hintergründe und Folgen dieses Großprojektes für Gewerbetreibende und die Nachbarschaft aufklärt und Mitsprache einfordert.

Marianne Birthler
07.09.2020 | Mitte | ca. 23 Minuten

Marianne Birthler, geboren 1948, wuchs in Berlin auf. Durch ihr Engagement in der evangelischen Kirche Ost-Berlins in den 1980er-Jahren wurde sie politisch aktiv und zur Mitbegründerin einer Oppositionsgruppe. Die Wende erlebte sie mit großer Euphorie, in der Folge übernahm sie parlamentarische Ämter für das Bündnis 90. Elf Jahre lang war sie Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik. Die Öffnung der Akten bewertet sie auch als ein Mittel der Versöhnung mit der Vergangenheit in einer Diktatur.

Weitere Informationen zum Video-Projekt: Wir – Gespräche zum demokratischen Alltag in Berlin

Kontakt

Dr. Nele Güntheroth

Leitung Fachbereich Forschungskolleg

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Berliner Mauer mit Original-Graffiti von Kiddy Citny im Märkischen Museum. © Stadtmuseum Berlin | Foto: Heiko Noack
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