21.05.2026
Open House: Einblicke in das Depot der Sozialen Künstlerförderung Berlins
Das Depot der Sozialen Künstlerförderung Berlins in Berlin-Mariendorf erzählt die Geschichte der Stadt aus der Perspektive eines in seinem Umfang einzigartigen Förderprogramms, das über Jahrzehnte hinweg künstlerische Arbeit in Berlin ermöglicht hat. Mit einem Open House am 27. Juni macht die Stiftung Archiv der Sozialen Künstlerförderung Berlins diesen bislang kaum sichtbaren Bestand nun erstmals umfassend öffentlich zugänglich.
Kunstförderung als Zeitgeschichte
Rund 15.000 Werke von über 2.000 Künstler:innen lagern im Depot in Mariendorf – Gemälde, Fotografien, Grafiken, Plastiken, Skulpturen und Installationen. Sie gehen zurück auf die Soziale Künstlerförderung, die 1951 in West-Berlin als Notstandsprogramm begann: Ziel war es, Künstler:innen in einer wirtschaftlich schwierigen Situation zu unterstützen und zugleich Kunst in den Alltag der Stadt zu bringen.Im Laufe der Jahrzehnte wurde das Programm immer wieder an gesellschaftliche und politische Veränderungen angepasst. Was zunächst auf West-Berlin beschränkt war, entwickelte sich nach 1990 bis ins Jahr 2003 zu einer gesamtstädtischen Förderung, die auch Künstler:innen aus dem Ostteil der Stadt einbezog. So spiegelt der Bestand nicht nur künstlerische Entwicklungen, sondern auch die Brüche und Transformationen der Stadtgeschichte.
Hoher Anteil weiblicher Perspektiven
Rund 40 % der erhaltenen Werke stammen von Künstlerinnen. In der Vergangenheit häufig strukturell benachteiligt, werden ihre Positionen seit einigen Jahren verstärkt neu betrachtet. Zu ihnen zählen unter anderem Dorothy Iannone, Evelyn Kuwertz, Ewa Partum, Andrea Pichl, Sarah Schumann sowie Monika Sieveking. Bereits früh wurde auch Hannah Höch gefördert, die anschließend mehrere Jahre in der Jury vertreten war, sowie andere bekannte Namen wie Georg Baselitz, Markus Lüpertz, Marwan oder Wolf Vostell.
Ein Bestand in Entwicklung
Die unselbständige Stiftung Archiv der Sozialen Künstlerförderung Berlins wurde im Jahr 2022 gemeinsam von der Stiftung Stadtmuseum Berlin und dem Landesamt für Gesundheit und Soziales gegründet und erschließt den Bestand unter dem Dach der Stiftung Stadtmuseum Berlin. Das Projekt dient als Modell für zukünftige Herangehensweisen im Umgang mit umfangreichen und heterogenen Sammlungsbeständen.Derzeit werden ein Betriebs- und Standortkonzept entwickelt und die Kunstwerke konservatorisch gesichert und wissenschaftlich erfasst. Ergänzt wird der Bestand durch Archivalien wie Förderakten, historische Abbildungen und Inventarbücher. Bis 2027 soll die vollständige Erfassung und Bewertung abgeschlossen sein.
Sophie Plagemann, Künstlerische Direktorin Stadtmuseum Berlin: „In Mariendorf entsteht ein Archiv der Kunst- und Sozialgeschichte Berlins. Vielfältige künstlerische Perspektiven zeigen unterschiedliche Berliner Wirklichkeiten über fünf Jahrzehnte voller Aufbrüche, Krisen und Neuanfänge.“
Steffen Färber, Leiter der Abteilung Soziales, Landesamt für Gesundheit und Soziales: „Der Bestand zeigt, dass Kulturförderung immer auch Sozialpolitik ist. Ihn zu sichern und zugänglich zu machen, ist deshalb nicht nur eine kulturelle, sondern auch eine gesellschaftliche Aufgabe.“
Beteiligung und Beirat
Die Auseinandersetzung mit dem Bestand erfolgt bewusst offen und multiperspektivisch. Ein fachlicher Beirat begleitet den Prozess ebenso wie Künstler:innen, Verbände, Fachleute sowie Akteur:innen aus Kulturpolitik und Stadtgesellschaft. Gemeinsam werden Kriterien für die zukünftige Entwicklung des Bestands erarbeitet.Der Beirat wird Empfehlungen zur Zusammensetzung des Stiftungsbestands sowie zum zukünftigen Umgang mit dem Gesamtbestand aussprechen.
Beiratsmitglieder sind: Gürsoy Doğtaş (Kunsthistoriker und freier Kurator), Steffen Färber (Leiter der Abteilung Soziales, Landesamt für Gesundheit und Soziales/Eigentümer der Kunstwerke), Thomas Florschuetz (Künstler, Mitglied der Akademie der Künste), Elke Kimmel (Stadthistorikerin), Thomas Köhler (Direktor der Berlinischen Galerie – Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur), Silvia Fehrmann (Leitung Berliner Künstlerprogramm des DAAD), Cornelia Renz (Künstlerin, Vorstandsmitglied Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 e. V.), Dorothea Schöne (Künstlerische Leitung und Geschäftsführung Kunsthaus Dahlem), Ute Weiss Leder (Künstlerin, Mitglied des Berufsverbands Bildender Künstler*innen Berlin) sowie als Gast zwei Vertreterinnen der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Einblicke beim Open House
Julia Rust von Krosigk, Projektleiterin Stiftung Archiv der Sozialen Künstlerförderung Berlins: „Mit dem Open House öffnen wir nicht nur ein Depot, sondern einen Arbeitsprozess. Wir zeigen, dass der Bestand kein abgeschlossenes Kapitel ist, sondern ein dynamisches Projekt, das die Öffentlichkeit sucht. Uns interessiert, wie wir ihn heute lesen und auch für die Zukunft zugänglich machen können – gemeinsam mit Künstler:innen, Fachleuten
und der Stadtgesellschaft.“
Der Tag der offenen Tür bietet erstmals die Gelegenheit, die laufenden Prozesse vor Ort zu erleben. Besucher:innen können im Rahmen von Führungen das Depot erkunden und Einblicke in die Erschließung und Restaurierung gewinnen. Ergänzt wird das Programm durch Videointerviews mit Künstler:innen sowie Präsentationen ausgewählter Werke und Materialien.Das Open House lenkt den Blick auf einen bislang wenig bekannten, kulturhistorisch bedeutenden Bestand – und lädt zur Diskussion darüber ein, was eine Stadt fördert, bewahrt und erinnert.
Open House: Samstag | 27. Juni 2026 | 12 – 18 Uhr
Der Besuch ist ausschließlich nach vorheriger Anmeldung möglich unter: www.stadtmuseum.de/open-house
Mehr zum Archiv der Sozialen Künstlerförderung Berlins unter: www.stadtmuseum.de/archiv-der-sozialen-kuenstlerfoerderung