Käthe Kollwitz (1867 – 1945)

Kunst für den Frieden

Käthe Kollwitz gilt heute als eine der bedeutendsten deutschen Künstlerinnen überhaupt. Als Bildhauerin, Grafikerin und Malerin steht sie dabei für eine überaus politische Kunst: Spätestens seit dem Tod ihres Sohnes auf dem Schlachtfeld des Ersten Weltkriegs war ihr künstlerisches Schaffen zutiefst von ihrer sozialistischen und pazifistischen Überzeugung geprägt. 

Soziales Engagement

Am 8. Juli 1867 wird Käthe Kollwitz als Käthe Schmidt im ostpreußischen Königsberg geboren. Ihre Familie stammt aus gutbürgerlichen Verhältnissen. Doch Vater Karl gelingt es aufgrund seiner liberalen Gesinnung nicht, als Jurist im preußischen Staatsdienst angestellt zu werden, sodass er zusätzlich das Maurerhandwerk erlernt und als Bauunternehmer den Familienunterhalt für seine Frau und seine vier Kinder verdient.

Früh im Elternhaus gefördert, erhält Käthe mit 14 Jahren Kunstunterricht. Auch das anschließende Kunststudium wird ihr vom Vater ermöglicht. Er glaubt an ihre künstlerischen Qualitäten und wünscht sich mehr für sie als die Rolle einer bürgerlichen Ehefrau. Aber Käthe schafft beides: Im Juni 1891 heiratet sie den Arzt und SPD-Politiker Karl Kollwitz und zieht mit ihm in den Arbeiterbezirk Prenzlauer Berg, wo das Elend der Proletarier ihren kritischen Blick für soziale Mißstände noch schärft und ihr künstlerisches Engagement verstärkt.

Kriegstrauma und Zäsur

1892 bringt Käthe Kollwitz ihren ersten Sohn Hans zur Welt. 1896 wird der zweite Sohn Peter geboren. Bei Beginn des Ersten Weltkriegs trotzt er den widerstrebenden Eltern die Einwilligung ab, sich als Freiwilliger zum Fronteinsatz zu melden. Doch schon kurz darauf fällt der 18-Jährige  in Flandern. Nach dem sinnlosen Tod ihres Sohnes prägt der Pazifismus mehr denn je Kollwitz‘ künstlerische und politische Arbeit. Ihre ernsten, oft anklagenden Skulpturen, Bilder und Grafiken werden gefeiert.

Käthe Kollwitz, Selbstbildnis (1915) © Stadtmuseum Berlin | Foto: Oliver Ziebe

1919 wird Käthe Kollwitz als erste Frau zum Mitglied der Preußischen Akademie der Künste ernannt. Zehn Jahre später erhält sie für ihre Verdienste um die Wissenschaft und Künste – ebenfalls als erste Frau – den Orden Pour le Mérite. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten  wird alles anders: Durch ihre Arbeiten und Überzeugungen steht Kollwitz in direktem Widerspruch zum Regime. Zudem zählt sie zu den Unterzeichnern eines Appels zum Aufbau einer Arbeiterfront gegen die neuen Machthaber. Daraufhin muss sie die Akademie der Künste verlassen, sie verliert ihr Amt als Leiterin der Meisterklasse für Grafik. Als 1936 ihre Werke aus der jährlichen Ausstellung der Akademie der Künste entfernt werden, ist es ihr faktisch unmöglich, weiter künstlerisch zu wirken. Resigniert zieht sich Kollwitz zurück.

Fast vergessen und wiederentdeckt

Im Juli 1940 stirbt Ehemann Karl in Berlin. Aus Angst vor alliierten Bombern verlässt Käthe Kollwitz 1943 die Stadt. Tatsächlich wird im November durch einen Luftangriff ihre Wohnung in der Weißenburger Straße (seit 1947 Kollwitzstraße), Ecke Wörther Platz (seit 1947 Kollwitzplatz), zerstört. Viele Drucke und Grafiken gehen dabei verloren. Im Jahr darauf übersiedelt Kollwitz nach Moritzburg bei Dresden. Dort stirbt sie am  22. April 1945 vereinsamt und fast vergessen.

Es soll noch Jahre dauern, bis ihr Werk erneut umfassend gewürdigt wird. Erst 1985 entsteht in Köln das erste Käthe-Kollwitz-Museum, später folgen weitere Museen in Moritzburg und Berlin. Und seit 1993 erinnert eine vergrößerte Kopie ihrer wohl bekanntesten Skulptur in der Berliner Neuen Wache an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft: „Mutter mit totem Sohn“.

Leonore Schwarzer
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Facetten einer Fotografin – Alltag in der DDR

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