Storchenschere (um 1800)

Objekt des Monats Mai 2021

Was auf den ersten Blick wie eine Dekofigur aussieht, ist in Wahrheit weder Schmuckgegenstand noch Spielzeug, sondern ein einst unentbehrliches Werkzeug für Hebammen. Ihrer gedenkt am 5. Mai jeden Jahres der Internationale Hebammentag, aus dessen Anlass wir dieses ungewöhnliche Objekt vorstellen.

In unseren Breiten gilt der Storch wegen seiner Lebenserwartung von dreißig Jahren und mehr als Symbol für Langlebigkeit. In skandinavischen Mythen steht er für Erneuerung, Glück und Liebe. Bei der Märchenfigur Frau Holle – der Hüterin der Übergänge und Wächterin des Sees der ungeborenen Kinderseelen – ist er der Bote, der die Kinder in die Welt bringt. Das silberne Instrument in Storchenform mit einem kleinen Säugling im Inneren bezieht sich darauf. Den Beinnamen „Klapperstorch“ hat er übrigens daher, dass er sich durch Schnabelklappern mit seinen Artgenossen verständigt.

Die Storchenschere

„Die Entbindung“, Radierung von Heinrich Zille, 1898 © Stadtmuseum Berlin

Heute ein eher ungewöhnliches Objekt, war solch eine Schere vor gut 200 Jahren in fast jedem Haushalt zu finden. Um 1800 wurden Storchenscheren als medizinisches Instrument von Hebammen während der Geburt verwendet. Mit ihr klemmten sie die Nabelschnur ab, um den Blutkreislauf zwischen Mutter und Kind zu unterbrechen. Die kleine Punzierung (Prägung) „JFR“ verrät den Namen des Berliner Juweliers Johann Friedrich Rosenberg, der die hier vorgestellte Klemme angefertigt hat. 1887 wurde das Objekt vom Märkischen Provinzialmuseum aus dem Besitz einer Hebamme für die Sammlung erworben.

Aufbewahrt wurden die Scheren, bei denen es sich also eigentlich um Klemmen handelt, oft im Handarbeitskorb. Weil die Storchenform als sehr ansprechend empfunden wurde, setzte sie sich allmählich auch bei Scheren für Stick- und Handarbeiten durch, während die Storchenschere als Arbeitswerkzeug von Hebammen an Bedeutung verlor. Inzwischen wird sie tatsächlich oft nur noch als reines Deko-Objekt von symbolischer Bedeutung zur Geburt eines Kindes geschenkt.

Mehr über die Storchenschere im Video:

Kontakt

Dr. Martina Weinland

Beauftragte für kulturelles Erbe

030 353059 850
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© Stadtmuseum Berlin
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