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Johanna Staniczek, Auferstehung, Wiedergeburt, Vergänglichkeit, Mischtechnik auf Papier, 2022
© Stadtmuseum Berlin | Foto: und Montage: Michael Setzpfandt

Auferstehung, Wiedergeburt, Vergänglichkeit

Sechste Variation zur Auferstehung im Museum Nikolaikirche

von Albrecht Henkys

Die im Zweiten Weltkrieg zerstörte „Auferstehung Christi“ in der Kraut-Kapelle des Museums Nikolaikirche ist vom 22. März bis 11. Mai 2022 in einer Interpretation der Künstlerin Johanna Staniczek (geb. 1959) zu sehen.

Kunst in der Kirche

Das Bild ist der sechste Teil einer seit Juni 2021 andauernden Serie von Variationen zum Thema Auferstehung. Die Bilder werden nacheinander präsentiert von Künstler:innen.

„Du, den ich nicht habe retten können, höre mich an“, heißt es in einem Gedicht des polnischen Lyrikers Czesław Miłosz, und an anderer Stelle: „Ich spreche schweigend zu Dir, wie die Wolke oder der Baum“. Von diesen Versen inspiriert, sinnt die Künstlerin über das Verschwinden, den Tod nach, erinnert sich an den kindlichen Wunsch nach Wiederkehr, nach Auferstehung. Dabei sieht sie die Menschen mit ihren Vorstellungen und Wünschen als Teil der Natur.

Blick in die Kraut-Kapelle mit Johanna Staniczeks Werk „Auferstehung, Wiedergeburt, Vergänglichkeit“ (Mischtechnik auf Papier), 2022
© Stadtmuseum Berlin | Foto: Albrecht Henkys
Indem sie sich mit ihrem Bild in die Landschaft ihrer Kindheit versetzt und diese zu einem Traumbild verdichtet, schafft sie Raum für eine Vielfalt an Symbolen: das aufsteigende Licht und das herabfließende Wasser als Quellen des Lebens, der Wald als Sinnbild für Lebenskraft und Vergänglichkeit, aber auch Ruhe und Geborgenheit, schließlich die am Boden blühenden Pflanzen. Wie in der Malerei des Mittelalters erzählen sie von der Überwindung des Todes.

Dies gilt auch für die Wahl der Farben. Sie erinnern einerseits an die barocke Farbigkeit der Kraut-Kapelle, an den thüringischen Buntkalkstein ihrer Grabarchitektur, andererseits sind auch sie von hoher Symbolkraft: der Blick in den heranbrechenden Morgen mit Weiß als Farbe des Lichts, aber auch des Nichts, und tiefem Blau für die vergehende Sternennacht, für Unendlichkeit und Geborgenheit – oder vielleicht sogar für den Schutzmantel der Maria?
Über die Künstlerin

Johanna Staniczek wurde 1959 bei Kattowitz (Katowice, Polen) geboren und siedelte mit ihren Eltern 1963 in die Schwäbische Alb um. 1979 nahm sie ein Studium an der Freien Kunstschule Stuttgart auf und wechselte 1981 an die Hochschule der Künste (HdK) in West-Berlin, wo sie 1988 ihr Studium der Freien Malerei ab- und ein Meisterstudium anschloss. 1992 bis 1998 war sie künstlerische Mitarbeiterin an der HdK, ab 1999 dort Gastdozentin und ab 2001 Professorin für Malerei und Grafik am Institut für Kunstpädagogik an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Seit 2020 arbeitet sie als freie Künstlerin in Berlin.

In diesem Projekt geht es darum, sich dem vom preußischen Hofbildhauer Georg Glume (1679–1765) entworfenen Grabdenkmal künstlerisch anzunähern und sich aus zeitgenössischer Sicht mit einer historischen Fehlstelle auseinanderzusetzen. Dabei geht es nicht darum, diese zu rekonstruieren, sondern zu kommentieren und eine Raumsituation zu erarbeiten, die das Thema des verlorenen Bildes in der Kapelle Kraut, die Auferstehung Christi, im Blickwinkel von heute interpretiert.
Unbekannter Künstler, Auferstehung, Kraut-Kapelle, entstanden 1725
© Archiv Landesdenkmalamt Berlin