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Anton Graff: Bildnis Elisabeth Makaria Nicolai, um 1795
© Stadtmuseum Berlin

Kunstausstattung Schloss Bellevue

Seit 15. Oktober 2021 sind am Berliner Amtssitz des Bundespräsidenten im Schloss Bellevue vier neuausgestattete Säle mit bürgerlichen Schwerpunktsetzungen zu sehen. Dr. Jan Mende, Kurator des Museum Knoblauchhaus, hat die Räume mit Leihgaben des Stadtmuseum Berlin gestaltet.

von Dr. Jan Mende

Dauerpräsentation im Schloss Bellevue

Bereits 2020 hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den „Robert-Blum-Saal“ der 1848er Revolution gewidmet. Nun folgten die Themen „Aufklärung“ und „Jüdische Salons um 1800“ sowie zwei Räume, die dem preußischen Stararchitekten Karl Friedrich Schinkel sowie den Brüdern Alexander und Wilhelm von Humboldt gelten. Mit diesem deutlichen Bezug zur bürgerlich geprägten Epoche der Aufklärung möchte der Bundespräsident daran erinnern, „was Preußen auch war und hätte sein können“.

Christian Friedrich Tieck: Portraitbüste Karl Friedrich Schinkel, Bronze, Modell 1819, Abguss 1856
© Stadtmuseum Berlin
Mit der Auswahl der Kunstwerke wurde Dr. Jan Mende beauftragt, der als Kurator am Stadtmuseum Berlin tätig ist. Dabei fanden auch Kunstwerke aus dem Bestand des Stadtmuseum Berlin Verwendung.

Es ist zum einen die berühmte Schinkel-Büste von der Hand des Bildhauers Friedrich Tieck. Sie flankiert eine ganze Kupferstichfolge „Architektonischer Entwürfe“ von Schinkel, und auch das aufsehenerregende Mineralienkabinett im Humboldt-Raum wird begleitet von Portraits der beiden Brüder aus dem Bestand des Stadtmuseums Berlin. Im Mittelpunkt stehen hier fünf Schaukästen mit Steinproben, die Alexander von Humboldt aus Mexiko, Italien, Russland und Kasachstan mitgebracht hatte – Leihgaben des Museums für Naturkunde Berlin.

Eigentlicher Höhepunkt der Kunstausstattung ist der neue „Salon Voltaire“: Er enthält nicht nur Büsten des französischen Philosophen Voltaire und des preußischen Königs Friedrich II., sondern vor allem ein ganzes Bilderkabinett mit Portraitdarstellungen des Schweizer Malers Anton Graff. Mit seinen einfühlsam gemalten Charakter-Bildnissen bediente Graff damals die Nachfrage der „Gebildeten Stände“ nach Individualportraits bürgerlicher Prägung. Er gilt als Portraitist der Dichter und Denker.

Ausschnitte der Portraits des Verlegers Friedrich Nicolai (links) und des Lyrikers Karl Wilhelm Ramler von Anton Graff
© Stadtmuseum Berlin

Anton Graff im „Salon Voltaire“

Von den im „Salon Voltaire“ präsentierten sechs Gemälden stammen drei aus der Gemäldesammlung des Stadtmuseum Berlin: die Portraits der Eheleute Elisabeth Makaria Nicolai (entstanden um 1795, vermutlich als Gedächtnisbild nach dem Tod, siehe Titelbild des Beitrages) und Friedrich Nicolai (entstanden 1783) sowie ein Bildnis des Lyrikers Karl Wilhelm Ramler (entstanden um 1775). Portraitsammlungen bürgerlichen Zuschnitts waren im 18. Jahrhundert sehr populär und haben sich auch im Halberstädter Gleimhaus bis heute erhalten. Der „Salon Voltaire“ nimmt diese Tradition auf und verweist damit auf die Aufklärungsbewegung, die damals ganz auf Vernunft und bürgerliche Freiheit setzte.

Ausstellungsort

Ort
Schloss Bellevue
Amtssitz des Bundespräsidenten
Spreeweg 1
10557 Berlin

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