Seit dem 17. Jahrhundert erfreuten sich Scherzgläser großer Beliebtheit. Der Sturzbecher, ein Trinkglas ohne Fuß, nötigte den Gast, den Becher in einem Zug leer zu trinken.
© Stadtmuseum Berlin

Rotes Feuer im Glas

Die seltenen, tiefrot glänzenden Gläser aus der Sammlung des Stadtmuseums Berlin zeigen, wie eng Experimentierfreude, Handwerk und frühe Naturwissenschaft in Berlin miteinander verwoben waren. Ihre Farbe ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer kunstvollen Mischung aus Wissen, Mut und feinstem Gold.

In der Frühen Neuzeit suchten Alchemisten fieberhaft nach dem Stein der Weisen, einem geheimnisvollen Stoff, der unedle Metalle in Gold verwandeln sollte. Johann Kunckel (um 1635–1703), einer der bedeutendsten Alchemisten und Glasmacher Preußens, kam diesem Traum auf überraschende Weise nahe – durch Glas.

Um Goldrubinglas herzustellen, löste er zunächst echtes Gold in Königswasser, einer Mischung aus Salzsäure und Salpetersäure. Anschließend fügte er Zinn hinzu und führte die Lösung der Glasschmelze zu. Zunächst blieb das Glas farblos. Beim erneuten Erhitzen bildeten sich winzige Goldteilchen – echte Nanopartikel darstellten, die das Licht so streuten, dass das Material plötzlich strahlend rubinrot erschien.

Kunckel gelang es, diesen heiklen Prozess zu kontrollieren. Damit machte er Goldrubinglas zu einem der begehrtesten Luxusgüter seiner Zeit. Hier verschmolzen alchemistische Visionen und moderne Materialwissenschaft, lange bevor der Begriff „Nanotechnologie“ überhaupt existierte.

Wer war Kunckel – und wie wird Gold zu Glas?

Besucher:innen in der Ausstellung.
© Stadtmuseum Berlin | Foto: Anne Peussel

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