Tscheburaschka (ca. 1975)

Objekt des Monats Juli 2021

Auch vor dem Internet und den Sozialen Medien war es möglich, ohne zu reisen mit anderen Menschen irgendwo auf der Welt in Kontakt zu sein. Anlässlich des Internationalen Tags der Freundschaft am 30. Juli erzählt ein Plüschtier aus der Sowjetunion von Brieffreundschaften zwischen der DDR und anderen Ländern.

„Tscheburachnutsja“ ist Russisch und lässt sich am besten mit „hinfallen“ übersetzen. Denn genau das tut das Stofftier, das den Namen Tscheburaschka (kyrillisch: Чебурашка) trägt, immer wieder. Schuld daran haben nicht nur die riesigen Ohren, sondern wohl auch der zu große Kopf, der auf dem scheinbar zu kleinen Körper sitzt. 1966 tauchte Tscheburaschka in dem russischen Kinderbuch „Krokodil Gena und seine Freunde“ von Eduard Nikolajewitsch Uspenski (1937–2016) zum ersten Mal auf. Darin wurde es von einem Obsthändler in einer Orangenkiste gefunden.

Auch die damals vierzehnjährige Schülerin Gabriela S. fand ihr Stoff-Tscheburaschka in einer Kiste, genauer gesagt, in einem Postpaket. Dieses hatte sie von ihrer sowjetischen Brieffreundin erhalten. Gabriela, die damals in der DDR lebte, hatte viele Brieffreundschaften. „Ich war eine fleißige Briefe-Schreiberin. War das doch eine Möglichkeit, Kontakt zur großen weiten Welt da draußen zu bekommen“, erinnert sie sich später. „Es gab damals kein Internet, Reisen waren nur eingeschränkt möglich, meine Familie selbst hatte selten die Gelegenheit, in den Urlaub zu fahren.“

Schild mit Signet der Weltfestspiele der Jugend und Studenten 1973 © Stadtmuseum Berlin

Erinnerungen fürs Leben

Die ersten Brieffreundschaften wurden über die Russisch-Lehrerin in der Schule vermittelt. Brieffreundschaften zwischen der DDR und der Sowjetunion wurden oft über die Schulen organisiert. Kinder und Jugendliche sollten auf diese Weise die Menschen und die Kultur des jeweiligen anderen Staates kennenlernen. Während der in Ost-Berlin stattfindenden Weltfestspiele der Jugend und Studenten 1973 kamen weitere Brieffreundschaften hinzu. Sie reichten bis nach Japan und Indien.

Aus der Zeit des eifrigen Briefeschreibens sind neben dem Tscheburaschka noch ein paar Briefe und Fotografien erhalten. „Es war üblich, sich Fotos zu schicken, sowie Ansichtskarten, Briefmarken, Autogrammfotos von Pop-Gruppen, Ausschnitte aus Modemagazinen, eigene Zeichnungen und ähnliches“, so Gabriela. Nicht alle  Brieffreundschaften waren von Dauer. Das Tscheburaschka aber blieb. 2021 gelangte es als Schenkung an das Stadtmuseum Berlin.

Kontakt

Randy-Noreen Rathenow

Sammlungsmitarbeiterin
Sammlung Spielzeug, Kindheit und Jugend

030 353 059 571
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