Juli 2015

Die Fotoalben von Cecil F. S. Newman

Zur Ausstellung „Berlin 1945/46“

Schon zehn Jahre Erfahrung als ambitionierter Amateurfotograf hatte der britische Ingenieur Cecil F. S. Newman im Gepäck, als er im Range eines Offiziers der Royal Engineers im Juli 1945 nach Berlin kam, um beim Wiederaufbau zu helfen. Ausgerüstet mit einer Kodak-Kamera und einer Leica begann er, die zerstörte Stadt und die Menschen, die darin lebten, auf Negativstreifen zu bannen. Mehr als 1.400 Stadtansichten und Porträts sind so entstanden, bis er Berlin im darauffolgenden Jahr  wieder verlassen musste. 

Im Rahmen der Ausstellung Berlin 1945/46 | Fotografien von Cecil F. S. Newman im Märkischen Museum werden 150 seiner eindrucksvollen Aufnahmen aus der fotografischen Sammlung des Stadtmuseums Berlin jetzt erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt – und mit ihnen die drei originalen Fotoalben, die er während seines Aufenthaltes zusammengestellt hat. Vom Fotografen selbst beschriftet, erzählen sie uns von einer Zeit des Mangels und von den gewaltigen Aufgaben, die zu bewältigen waren, aber auch vom beginnenden Alltagsleben in der Ruinenstadt.

Der Originalbrief von Erna Mischonat an Cecil Newman, datiert auf den 3. Dezember 1946. © Stadtmuseum Berlin

Berliner Fotografien

Die leinengebundenen Alben, allesamt Erzeugnisse der in Berlin-Tempelhof ansässigen Firma Wübben & Co., enthalten insgesamt 337 Fotos, jedes knapp mit maschinengeschriebenen Etiketten beschriftet. Entwickelt hat Cecil Newman die Abzüge eigenhändig im „Photo-Spezial-Haus" am Rüdesheimer Platz in Wilmersdorf. Dies ist einem Briefwechsel zwischen dessen Inhaberin Erna Mischonat und dem Fotografen zu entnehmen, den die beiden nach seiner Rückkehr ins heimatliche Belfast führten. 

„Unsere Dunkelkammer ist am Abend und am Sonntag recht vereinsamt“, beklagt Mischonat am letzten Oktobertag des Jahres 1946 in einem an Newman gerichteten Brief. „Es war sehr schön Ihre guten Aufnahmen zu besichtigen und fachliche Gedanken mit Ihnen auszutauschen.“ „Schade nur“, so schreibt sie in einem weiteren Brief zwei Monate später, „dass man sein Können durch den Materialmangel nicht ausnutzen kann. […] In Gedanken sehe ich Sie oft in Ihrer Dunkelkammer schöne große Köpfe vergrößern.“ 

Verbundenheit über Grenzen hinweg

Doch Cecil Newman blieb nicht nur der Fotografie, sondern auch den Menschen, die er in Deutschland kennen- und schätzen gelernt hatte, verbunden. Über das schwedische Rote Kreuz schickte er gemeinsam mit seiner Mutter mehr als 50 Päckchen nach Berlin, die dringend benötigte Lebensmittel und weitere Hilfsgüter enthielten – auch für Erna Mischonat, die damit zum Teil sogar anderen, noch Bedürftigeren eine Freude machen konnte.

Diese Verbundenheit wirkt bis zum heutigen Tage fort: Eines der drei in der Ausstellung gezeigten Fotoalben gehört zu einem Teil des Nachlasses von Cecil F. S. Newman, den seine Tochter dem Stadtmuseum Berlin im Rahmen einer Schenkung übergab. Die beiden übrigen sind als Leihgaben aus Familienbesitz zu sehen. So kehren die Alben nach Jahrzehnten wieder nach Berlin zurück – was dem Fotografen zeit seines Lebens nicht vergönnt war.

Newman, der in Berlin viele Freundschaften geschlossen hatte und passabel Deutsch sprach, bemühte sich noch lange Zeit nach seiner Abberufung vergeblich, als ziviler Angestellter der Militärregierung in die Stadt zurückzukehren. Auch seine Hoffnung, als Mitglied der Royal Photographic Society für eine Fotoreportage nach Berlin reisen zu können, erfüllte sich nicht.

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