22.01.2026

Stadtmuseum Berlin steigert Besuchszahlen und präsentiert 2026 ein vielseitiges Programm

                       
Die sechs Standorte des Stadtmuseums Berlin
Collage © Stadtmuseum Berlin

Das Stadtmuseum Berlin konnte im vergangenen Jahr seine Besuchszahlen steigern: von rund 225.000 Besucher:innen 2024 auf über 240.000 im Jahr 2025 – trotz des Wegfalls der besuchsstarken, kostenfreien Museumssonntage mit knapp 46.000 Besucher:innen 2024. Allein die aktuelle Sonderausstellung „Heute noch, morgen schon“ haben bereits über 10.000 Menschen besucht.

„2026 bieten wir wieder ein Programm, das so vielfältig ist wie Berlin selbst “, so Sophie Plagemann, die künstlerische Direktorin des Stadtmuseums Berlin. „Wir möchten die Geschichte Berlins für alle und aus verschiedenen Perspektiven erzählen. So begegnen sich verschiedenste Stimmen aus der Stadtgesellschaft und treten miteinander in den Dialog.“

Bis zur Eröffnung des neuen Museums- und Kreativquartiers am Köllnischen Park legt das Stadtmuseum Berlin einen Programm-Schwerpunkt auf seine drei Museen im Nikolaiviertel. In der historischen Mitte Berlins erwartet Berliner:innen und Tourist:innen neben Ausstellungen u. a. ein Konzertprogramm im Museum Nikolaikirche. Junior-Kurator:innen präsentieren im Museum Knoblauchhaus, was Partnerschaft, Liebe und „ein Match zu haben“ in der Zeit des Biedermeier bedeuteten. Im Museum Ephraim-Palais zeigt die Ausstellung „Tapetenwechsel“, wie Menschen in der Migration private Räume gestalten und wie Erinnerungen, aber auch Entwürfe eines zukünftigen Lebens im Mobiliar zum Ausdruck kommen.
 
 
Museum Ephraim-Palais: Fokus Migrationsgeschichte 

Im 3. Obergeschoss des Museums Ephraim-Palais geht es ab dem 21. Mai 2026 um das Wohnen in der Migrationsgesellschaft. Wie richten Menschen Räume ein, die nur auf Zeit bestehen? Welche Dinge geben Halt, wenn alles andere in Bewegung ist? In der Sonderausstellung „Tapetenwechsel – Über Mobilität und Mobiliar“ rückt das „migrantische Wohnzimmer“ ins Zentrum: ein Ort, an dem Möbel, Objekte und Bilder Geschichten vom Ankommen, Erinnern und Neuerfinden erzählen. Wiederkehrende Formen, überraschende Kombinationen zeigen sich in Fotografien, Alltagsobjekten, Dokumenten und künstlerischen Positionen.
In Kooperation mit dem Gropius Bau präsentiert das Stadtmuseum Berlin ab dem 11. September 2026 im Museum Ephraim-Palais die Sonderausstellung „Geteiltes Leben“. Sie zeigt Kunstwerke aus den Beständen des Stadtmuseums Berlin, die sich mit Migration nach Berlin auseinandersetzen. Werke von einigen der Künstler:innen werden zeitgleich auch im Gropius Bau in der Gruppenausstellung „Kreuzberg“ (Arbeitstitel) zu sehen sein. 
Gemeinsam mit Schüler:innen erforscht das Stadtmuseum Berlin, wie und mit wessen Hilfe Menschen mit jüdischem Familienhintergrund in der Zeit des Nationalsozialismus in der Stadt überleben konnten. Die Ergebnisse werden ab dem 11. November auf einer Freistelle in der Dauerausstellung „BerlinZEIT“ unter dem Arbeitstitel „Courage to Care – Netzwerke, die Leben retteten. Fritz Ascher in Berlin 1938 – 1945“ präsentiert.


Museum Nikolaikirche: Klangräume und Ortsgeschichte neu entdecken
 
Im Museum Nikolaikirche ist noch bis zum 6. April 2026 die Sonderausstellung „Heute noch, morgen schon. Filmische Perspektiven auf Berlin um 1990“ zu sehen. Nach diesem filmischen Blick auf die Jahre um den Mauerfall setzt das Museum seine Reihe experimenteller Jahresschwerpunkte 2026 fort.
Im ältesten erhaltenen Kirchengebäude Berlins, einem bedeutenden Schauplatz der Berliner Musikgeschichte, rückt mit einer Sound-Ausstellung im Herbst 2026 sowie einem vielfältigen musikalischen Programm der Hörsinn in den Mittelpunkt. Ausgehend von der Architektur und Geschichte des Bauwerks eröffnet sie dabei ein weiteres Mal neue Erfahrungsräume: Wenig Gehörtes, kaum Gesehenes und selten Erfahrenes aus der Berliner Stadtgeschichte wird hörbar und die Wahrnehmung des Ortes auf ungewohnte Weise erweitert.
Die Erzählspur „Mitten in Berlin“ wirft einen Blick auf sieben Objekte aus der Dauerausstellung „Berlins Mitte“ und fragt nach der Bedeutung der Kirche für die Stadtbewohner:innen und ihr Zusammenleben. Vom 16. April bis zum 13. September 2026 werden die Objekte im Museum Nikolaikirche gestalterisch hervorgehoben und in der kostenfreien Museums-App Bloomberg Connects vorgestellt.
Das Stadtmuseum Berlin setzt sich weiter mit seinem kolonialen Erbe auseinander: Ab April 2026 sind Video-Interventionen an drei Grabmälern kolonialer Akteure im Museum Nikolaikirche geplant. Forscher:innen, Künstler:innen und Museumsfachleute sprechen über die Bedeutung des historischen Ortes heute und diskutieren den kritischen Umgang damit.

 
Museum Knoblauchhaus: Biedermeier neu befragen

Die Junior-Kurator:innen des Berliner Thomas-Mann-Gymnasiums erforschen die Epoche des Biedermeiers. Sie untersuchen Partnerschaft und Liebe aus damaliger und heutiger Sicht und präsentieren die Ergebnisse unter dem Titel „Ein Match haben!“ vom 3. Juli bis zum 27. September 2026 im Museum Knoblauchhaus.
Vom 14. Oktober bis 28. November 2026 zeigt das Museum Knoblauchhaus die Sonderausstellung „Daniel Chodowiecki 300. Berliner Künstlerinnen um 1800“.
Der Zeichner und Grafiker gehört zu den großen Künstlern des 18. Jahrhunderts. Anlässlich seines 300. Geburtstages am 16. Oktober stellt das Stadtmuseum Berlin in Kooperation mit der Akademie der Künste Berlin und den Staatlichen Museen zu Berlin ausgewählte Werke von Chodowiecki sowie Zeichnungen und Gemälde seiner Schülerinnen aus.
Wie sehen Berliner 4-Jährige das Museum Knoblauchhaus und welche Verbindungen finden sie zu ihrem Alltag? Am 6. Dezember 2026 eröffnen Kinder des Fröbel-Kindergartens Schatzinsel eine Ausstellung mit ihren Projektergebnissen. Die Präsentation ist bis zum 28. Februar 2027 zu sehen und wird von einem Familienprogramm begleitet.
Vom 28. November 2026 bis zum 11. Januar 2027 verwandelt sich das Museum Knoblauchhaus wieder in ein festlich geschmücktes Weihnachtshaus der Biedermeierzeit. Hier gibt es die historischen Wurzeln heutiger Advents- und Weihnachtsbräuche zu entdecken und es werden neue Fragen gestellt: Wie prägten Geschenke die Rollenzuschreibungen von Mädchen und Jungen? Inwieweit spielten jüdische Traditionen eine Rolle?
 
 
BERLIN GLOBAL: 5-jähriges Jubiläum und neue Freifläche
 
Die Berlin Ausstellung im Humboldt Forum, BERLIN GLOBAL, wird 2026 fünf Jahre alt. Das feiert das Stadtmuseum Berlin am 4. Juli im Humboldt Forum im Berliner Schloss! Die Ausstellung lädt bei freiem Eintritt zu einem besonderen Jubiläumstag mit Führungen, Workshops und Musik im Schlüterhof ein. Gemeinsam mit Berliner:innen sowie den Partner:innen, Künstler:innen, Vereinen und Initiativen, die die Ausstellung und ihr Programm in den vergangenen Jahren geprägt haben, feiert das Stadtmuseum Berlin die Vielfalt der Stadt.
Im Februar findet anlässlich des Black History Month eine Intervention der Künstlerin Patricia Vester im Ausstellungsraum „Krieg“ statt. Die künstlerische Kommentierung des Objekts „NS-Schulwandkarte“ ist als mehrteiliger Prozess angelegt: Ein Teil findet am 5. Februar als öffentliches Format statt. Dabei geht es um die Auseinandersetzung mit Karten, die Weltbilder transportieren. Am 21. Februar wird Patricia Vester die Projektergebnisse präsentieren.
Am 12. Juni 2026 eröffnet eine neue Freifläche im Raum Vergnügen. „Time Machine Infinitum: Journey Through Forever“ ist eine Installation mit Sound, Videos und Bildern. Die Künstler:innen Noam Gorbat, Omar Nicolas und Sama Ahmadi schicken die Besucher:innen von BERLIN GLOBAL auf eine Zeitreise an Orte queer-migrantischer Selbstermächtigung in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
 
 
Museumsdorf Düppel: Familienprogramm und Living History

Das Museumsdorf Düppel bietet Erwachsenen und Kindern eine Entdeckungsreise in das Leben, die Landschaft und die ländliche Kultur der Region im Mittelalter. Programm-Highlights sind auch in diesem Jahr wieder „Ostern im Freilichtmuseum“ vom 3. bis 6. April, „Pfingstausflug ins Mittelalter“ vom 23. bis 25. Mai und dasbeliebte „Martinsfest“ am 7. und 8. November.
2026 werden in Kooperation mit der Jugendbauhütte Berlin und dem Oberstufenzentrum Knobelsdorffschule historische Bauprojekte realisiert – darunter die Fertigstellung und Einweihung eines Backofens sowie die Erneuerung eines Reetdaches. Dabei werden von den jungen Menschen alte Handwerkstechniken experimentell erprobt.
Gelebte Geschichte (Living History) ist ein Schwerpunkt im Museumsdorf Düppel. Im November 2026 richtet das Stadtmuseum Berlin eine Fachtagung unter dem Titel „Staging the Past: Living History, Live Audiences, Real Challenges“ aus. Auf der Tagung werden die Grenzen und Möglichkeiten für die Vermittlung in Museen ausgelotet und positive Beispiele aus der Praxis diskutiert.
 

Museums- und Kreativquartier: im Austausch mit Berlin
 
Mit der umfassenden baulichen Sanierung und Ertüchtigung des Märkischen Museums und des Marinehauses entwickelt das Stadtmuseum Berlin ein modernes und inklusives Museumsquartier am Köllnischen Park, das voraussichtlich 2029 eröffnen wird.
Ab 25. Februar lädt das Team des Marinehauses alle Interessierten zum regelmäßigen Austausch bei leckerer Pizza ein. Alle zwei Monate wird es im Stadtteilladen Dialog 101 bei der offenen Sprechstunde „Marinehaus Pizzatalks“ zwischen 18 und 20 Uhr die Möglichkeit geben, mehr über das Entwicklungsprojekt zu erfahren und gemeinsam programmatische Visionen zu entwickeln.
Im Sommer startet „Marinehaus Deluxe“: ein wanderndes Pop-up-Format, das Kunst, Party und einen forschenden Blick auf die Stadt verbindet. Regelmäßig wird es an Berliner Alltagsorten auftauchen – vom Späti über den Fußballplatz oder die Boxhalle bis hin zum Friseursalon. Dort, wo niemand es erwartet, bringt das Stadtmuseum Berlin Geschichten, Performance und Popkultur direkt zu den Berliner:innen. Für 2026 sind drei Pop-ups geplant.
Am 21. Juni 2026 lädt das Stadtmuseum Berlin im Rahmen der Fête de la Musique gemeinsam mit der Allianz Neue Waisenbrücke und der Musikschule Fanny Hensel wieder zur „Fete am Park“ ein. Bei einem bunten Programm gibt es die Gelegenheit, über den Standort am Köllnischen Park ins Gespräch zu kommen und sich für eine neue Waisenbrücke an historischer Stelle einzusetzen.
 

Aus der Sammlung: ägyptische Traubenkerne
 
Die vielfältigen Sammlungsbestände des Stadtmuseums Berlin eröffnen neue Blickwinkel auf Berliner Geschichte, Kunst und die Schwerpunktthemen Migration und Kolonialismus. Die Ausstellung „Grains of Memory – Kernfragen.“ nimmt ein Objekt aus der Sammlung des Stadtmuseums Berlin zum Ausgangspunkt für eine kritische Auseinandersetzung mit kolonialen Sammelpraktiken. Es handelt sich um Traubenkerne aus einem 5.000 Jahre alten ägyptischen Grab, 1897 von einem deutschen Ägyptologen in einer Kartonschachtel verwahrt und nach Europa verbracht. Die von Student:innen des Masterstudiengangs Museumsmanagement und -kommunikation der HTW Berlin kuratierte Schau ist vom 31. Januar bis zum 8. Februar 2026 in der Kiezkapelle Neukölln zu sehen.