Hinter der Tonfigur verbirgt sich eine unsichtbare Geschichte.
© Stadtmuseum Berlin | Foto: Michael Setzpfandt

Anfassen erlaubt?!

„Ich darf hier etwas anfassen?“ Manche Besucher:innen sind immer noch überrascht, wenn diese Frage in einem Museum mit „Ja!“ beantwortet wird. Dabei ist es für einige Besucher:innen von entscheidender Bedeutung, haptische Erfahrungen zu machen. Ein Projekt mit der Johann-August-Zeune-Schule für blinde und sehbehinderte Kinder und Jugendliche und der Schriftstellerin Mara Genschel zeigt, wie wichtig sinnliche Zugänge im Museum sind.

von Lisa Sarachman

Eine Aufgabe des Fachteams Outreach & Vermittlung am Stadtmuseum Berlin ist es, vielfältige Zugänge im Museum zu schaffen und zu vermitteln. So entstand das Projekt „Unsichtbare Geschichten“ mit der Johann-August-Zeune-Schule für blinde und sehbehinderte Schüler:innen. Es fand im April 2022 im Märkischen Museum statt, das derzeit aufgrund einer mehrjährigen Erneuerung geschlossen ist.

Zur Vorbereitung auf das viertägige Projekt stellten wir uns im Team viele Fragen: Wie vermitteln wir großteils visuelle Ausstellungen, in der fast nichts berührt werden darf? Welche Themen der Dauerausstellung über die Geschichte Berlins eignen sich für die Schüler:innen und lassen sich gut mit der heutigen Lebenswelt verbinden?

Welche Tastobjekte oder Materialien können wir einsetzen? Wie können wir das Museumsgebäude einbeziehen?

Im Märkischen Museum konnten wir einzelne Objekte und Elemente aus der Dauerausstellung einbinden, die berührt werden durften. Besonders die Schulbänke, auf denen alle Platz nehmen durften, und die Schreibstationen in den [Probe]Räumen erkundete die Gruppe mit viel Neugier. Die Freude war groß, als auch eine Punktschriftmaschine zum Ausprobieren entdeckt wurde.

Die Gruppe erkundet gemeinsam das Märkische Museum.
© Stadtmuseum Berlin | Foto: Michael Setzpfandt

„17 Stufen bis zum Eingang!“

Das Zählen der Stufen bis zur Eingangstür des Märkischen Museums wurde schnell zu einem morgendlichen Ritual während der Projekttage. Die Schüler:innen Aleyna, Lisa, Joud, Mehdi, Ghazal, Fabian, Franz, Hasti und Omer gingen im Märkischen Museum auf die Suche nach unsichtbaren Geschichten, die sich in Objekten verstecken.

Gemeinsam mit der Autorin Mara Genschel entstanden Kurzgeschichten, die in Videos, Audiomitschnitten und kleinen Tonfiguren festgehalten wurden. Das Mittelalter faszinierte und gab viel Inspiration für die eigenen Geschichten der Kinder. Sie erzählen von einer Marktfrau mit Zauberstiefeln, von Ritterturnieren und Kämpfen, einem Messerwerfer und natürlich der Liebe.

Lisa singt auf der Empore das Lied von Sir Jorgen Bjorgen.
© Stadtmuseum Berlin | Foto: Michael Setzpfandt
So schrieb Lisa die traurige Geschichte von Sir Jorgen Bjorgen, der seiner geliebten Mathilde ein Liebeslied sang. Sehr laut und sehr schief. Aber Mathilde wollte Sir Jorgen nicht heiraten. Am letzten Tag des Projekts trug Lisa ihre Geschichte vor. Sie stand dabei auf einer kleinen Empore in der Großen Halle im Märkischen Museum und fing an das Lied von Sir Jorgen Bjorgen zu singen. Eingehüllt in ein rotes Samttuch sang sie von seiner nicht erfüllten Liebe.

Durch das Einbeziehen unserer unterschiedlichen Sinne werden Museen auf neue Weise erfahrbar. Das haptische Erleben von originalen Objekten ist nicht nur für blinde und sehbehinderte Personen ein notwendiger Zugang, sondern für alle Besucher:innen ein Mehrwert. Berliner Stadtgeschichte wird dadurch buchstäblich begreifbar.

Wie sieht das Museum der Zukunft aus?

Joud beschreibt in ihrer Rolle „Marie“ das Museum im Jahr 2222.
Mehdi erfindet ein essbares Museum.
Lisa erzählt von künstlicher Intelligenz im Museum.
Ghazal, Fabian und Franz stellen sich einen Riechpalast vor.
Selbst anfassen

Im WELTSTUDIO in der Ausstellung BERLIN GLOBAL können die unsichtbaren Geschichten der Schüler:innen entdeckt und auch haptisch wahrgenommen werden. Anfassen erlaubt!   

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© Stadtmuseum Berlin | Foto: Phil Dera

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