23.10.2019

Aus der Provenienzforschung

Franz Heckendorf: „Seepavillon“

Ausgangslage bei Antragsstellung im Mai 2019 war die ungeklärte Objektgeschichte des Gemäldes Seepavillon, entstanden 1914, (Inv.Nr. GEM 88/5) von Franz Heckendorf, das 1988 vom damaligen Berlin Museum (heute Stadtmuseum Berlin) aus dem Berliner Kunsthandel erworben worden war. Das Gemälde hatte sich nachweislich spätestens ab 1919 (Herausgabe des ersten Heckendorf Werkverzeichnisses von J. Kirchner mit Besitzangabe Schueler) im Besitz des Holzhändlers und Kunstsammlers Curt Schueler in Berlin befunden. Die unternommenen Recherchen konnten Belege für die Eigentumsfrage Schuelers bis Anfang der 1930er Jahre hervorbringen. Bislang nicht erbracht werden konnte der Nachweis, dass sich das Bild nach 1931 noch in Schuelers Besitz befand.

Die innerhalb von 3 Monaten durchgeführte Recherche, die sich auf die Berliner Zeit (1893-1942) von Hilda und Curt Schueler, den Aufbau ihrer Kunstsammlung, auf ihre Tätigkeit als Sammler (An- und Verkauf), Mäzen und Leihgeber für Berliner Museen konzentrieren musste, erbrachte Neues zur Biographie des Gemäldes.  Das Gemälde Seepavillon von Franz Heckendorf scheint – im Gegensatz zu anderen in der Schueler’schen Sammlung befindlichen Kunstwerke – nie für Ausstellungszwecke ausgeliehen worden zu sein. Der Seepavillon wurde auch in keiner der einschlägigen Auktionen zum Verkauf angeboten. Insofern führte das Bild ein „privates“ Dasein.  Wichtig erschien es deshalb, das offensichtlich fast familiäre Verhältnis zwischen dem Maler Franz Heckendorf (1888-1963) und dem Kunstsammler Curt Schueler näher zu untersuchen.

Was geschah in Paris?

Curt Schueler, 1877 in Wronki (heute Polen) geboren, kam 1893 nach Berlin und zog als Untermieter bei der Familie Heckendorf in der Kolonnenstraße ein. Dort traf er auf den damals fünf Jahre alten Sohn Franz, dessen künstlerische Entwicklung er direkt miterleben konnte, da Schueler erst nach 1913 auszog. Offensichtlich unterstützte er Heckendorf, in dem er von ihm in den Folgejahren zahlreiche Gemälde erwarb. Diese und seine sich stetig erweiternde Kunstsammlung hatte Schueler, nun zusammen mit seiner Frau, der Bildhauerin Hilda Mosert, die er 1919 heiratete, in seiner Wohnung Nymphenburger Straße 10 untergebracht. 1931 wurde diese Adresse aufgegeben, weil es das Paar für ein Jahr zu Studienzwecken, eventuell auch um sich einen neuen Lebensmittelpunkt zu suchen, nach Paris zog.

Die interessante Frage, was während des Paris-Aufenthaltes mit der Wohnungseinrichtung und der Kunstsammlung geschah, wo sie ggf. eingelagert gewesen ist, konnte bislang nicht geklärt werden. 1933 zog es Schuelers zurück nach Berlin, wo sie sich in der Charlottenburger Wielandstraße niederließen. Ob sie dort wieder ihre Kunstsammlung und im ursprünglichen Umfang um sich hatten, muss offen bleiben, denn dazu haben sich bislang keine Belege finden lassen. Der Seepavillon selbst tauchte erstmals wieder dinglich auf unter der Losnr. 00080 bei Sotheby’s Amsterdam am 28. September 1987, wo das Bild von dem Berliner Kunsthändler Volker Westphal ersteigert wurde. Von diesem erwarb das Berlin Museum 1988 das Gemälde und inventarisiert es unter GEM 88/5.

Trotz der aktuell unternommenen Recherchen konnte kein sicherer Nachweis erbracht werden, dass sich das Gemälde noch 1942 im Besitz von Curt Schueler befunden hat und es sich somit um ein NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kunstwerk handelt. Das Stadtmuseum Berlin kommt damit seiner Verpflichtung nach, seine Sammlungen auf die Rechtmäßigkeit der Erwerbungen zu überprüfen.  

Gefördert durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste (DZK) als Projekt KU02-2019 zur Berliner Sammlung Curt und Hilda Schueler.

Weitere Rechercheergebnisse auf der Website des DZK >

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Vollständiger Projektbericht „Biographie eines Objekts: Gemälde ‚Seepavillon‘ (1914) von Franz Heckendorf
Cover des Buches "Verschlungene Wege"
Publikation
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Verschlungene Wege

Aus der Provenienzforschung
ISBN 978-3-939254-38-6
, Preis 12,50 Euro

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