09.11.2015

Kapelle der Versöhnung

Ein Architekturmodell erinnert an ein Symbol der Teilung Berlins

Mit ihrer Sprengung im Januar 1985 wurde die Versöhnungskirche zu einem symbol der Teilung Berlins. An ihrer Stelle erhebt sich heute die Kapelle der Versöhnung, deren Architekturmodell zur Sammlung des Stadtmuseums Berlin gehört.

Eva Schwarz-Winde: „Bernauer Straße“ | Öl-Tempera auf Leinwand, Berlin 1966 © Stadtmuseum Berlin

Gedenkstätte und Mahnmal

Die Kapelle der Versöhnung ist das Zentrum der Evangelischen Versöhnungsgemeinde in Berlin-Wedding/Mitte und zugleich Bestandteil der Gedenkstätte Berliner Mauer. Sie erinnert an die Zeit der Teilung Berlins und an die Zerstörung der Versöhnungskirche. An der Bernauer Straße auf Ost-Berliner Gebiet gelegen, stand dieses 1892-94 im neugotischen Stil aus rotem Backstein errichtete Gotteshaus bis 1985, für die Gemeindemitglieder unzugänglich, inmitten des befestigten Grenzstreifens. Im Januar jenes Jahres wurde die Versöhnungskirche schließlich auf Regierungsbeschluss der DDR gesprengt, um ein freies Sichtfeld für die Grenztruppen zu schaffen.

Am 9. November 2000 wurde die Kapelle der Versöhnung an der Bernauer Straße eingeweiht. 15 Jahre später schenkte die Evangelische Versöhnungsgemeinde dem Stadtmuseum Berlin das originale Architekturmodell dieses bedeutenden Bauwerks – ein vielgelobter Entwurf, der aufgrund seiner ansprechenden äußeren Form und seiner einzigartigen Bauweise nicht nur bei Fachleuten Aufsehen erregte.

Die Versöhnungskirche in der Bernauer Straße | Ansichtspostkarte, Berlin um 1900 © Stadtmuseum Berlin

Einzigartiger Sakralbau

Die Kapelle der Versöhnung geht auf einen Entwurf der Berliner Architekten Rudolf Reitermann und Peter Sassenroth zurück. Doch statt, wie vorgesehen, für Beton – den Baustoff der Berliner Mauer – entschied sich die Versöhnungsgemeinde für Lehm und Holz. 

So verwirklichte Lehmbaukünstler Martin Rauch mit der Kapelle der Versöhnung nicht nur einen in seiner Schlichtheit und Schönheit herausragenden Sakralbau, sondern auch den ersten öffentlichen Stampflehmbau diesseits der Alpen seit 150 Jahren. Wie bei der Bethlehemskirche in Berlin-Mitte und der Dreifaltigkeitskirche in der Friedrichstadt zeichnen deutlich sichtbare Konturen auf dem Boden rund um die Kapelle am originalen Ort die Grundmauern der verlorenen Versöhnungskirche nach.

Das Architekturmodell im Maßstab 1:50, das dem Stadtmuseum Berlin von der Versöhnungsgemeinde übereignet worden ist, unterscheidet sich in einigen Punkten vom letztlich ausgeführten Bau und zeugt so auch von dessen bewegter Entstehungsgeschichte. Aus hellem Holz, Keramik und Kunststoff gefertigt, vermittelt das rund 70 x 80 cm große und 45 cm hohe Modell einen Eindruck von der Leichtigkeit des Gebäudes, in dem sich die Geschichte der Teilung Berlins wie an keinem zweiten Ort der Stadt widerspiegelt.

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Berliner Mauer mit Original-Graffiti von Kiddy Citny im Märkischen Museum. © Stadtmuseum Berlin | Foto: Heiko Noack
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