11.01.2021

Ein Stall für James, das Wollschwein

Spendenaufruf (Update)

18.11.2020

Afrikanische Schweinepest bedroht Langzeit-Projekt: Museumsdorf Düppel braucht Geld für Sanierung von Tiergehege und Stallungen.

Nur kurz berühren sich ihre Rüssel durch die hölzernen Streben des Gehegezauns auf dem Gelände des Museumsdorfs Düppel in Berlin-Zehlendorf. Dann wendet sich Schweinedame Greta wieder der angrenzenden Weide zu. James muss in seinem Gehege zurückbleiben, aufgeregt schnüffelt er dem Weideschwein hinterher. Der Wollschwein-Eber befindet sich in Isolation. Wegen der drohenden Afrikanischen Schweinepest müssen die Tiere gerade besonders geschützt werden. Außer den Tierpflegerinnen und -pflegern darf niemand den Schweinen zu nahe kommen, auch nicht Besucherinnen und Besucher. Einige Schweine wurden, auch deswegen, bereits an Partner des Zuchtprojektes verkauft. Zwei weibliche Tiere befinden sich im Freilichtlabor Lauresham des Klosters Lorsch in Hessen, ein Eber ist in der historischen Klosterstadt Campus Galli in Baden-Württemberg untergekommen. Wenn die Seuche in Berlin Einzug hält, dann ist nicht nur das Leben der Tiere bedroht, sondern auch ein Jahrzehnte dauerndes Forschungsprojekt. 

In Düppel geboren: die Weideschweine Greta und Molly. © Stadtmuseum Berlin I Foto: Melanie Huber

Besondere Schweine

Seit den 1980er Jahren werden am Zehlendorfer Standort des Stadtmuseums Berlin die Düppeler Weideschweine gezüchtet, eine an mittelalterliche Vorbilder angelehnte Nutztierart. Sie sind die einzigen weltweit. Mittelalterliche Abbildungen und Knochenfunde dienen als Grundlage, deswegen wird auch von „Abbildzüchtung“ gesprochen. Im Mittelalter sahen Schweine schlichtweg anders aus als heutige Mastschweine. Die Schädel waren schmaler, die Beine länger, die Borsten dicker. Dass die Züchtung offenbar geglückt ist, ist am Schweineskelett aus dem späten 12. Jahrhundert in der Dauerausstellung BerlinZEIT im Märkischen Museum auszumachen: Die Schädelform des mittelalterlichen Schweines sieht der Form der Düppeler Weideschweine sehr ähnlich.

Auch Greta und Molly, Weideschweine in dritter Generation, zeichnen sich durch diese äußerlichen Besonderheiten aus. Um die Zucht für kommende Generationen zu sichern, und um weiterhin einen Beitrag zur biologischen Vielfalt leisten zu können, hat sich das Museumsdorf um einen Wollschwein-Eber bemüht. James, mit der unverwechselbaren Marke „007“, gehört seit März 2020 zum Bestand. Die Veterinärmedizinische Klinik der Freien Universität Berlin hat den Eber dem Freilichtmuseum überlassen.

Social Distancing in Düppel: Greta möchte zu James, darf aber nicht. © Stadtmuseum Berlin I Foto: Melanie Huber

Marode Ställe und Quarantäne-Container

Zu den nachgesagten Eigenschaften von mittelalterlichen Schweinen zählen Robustheit und hohe Widerstandsfähigkeit. Allein das schützt die Schweine aber nicht vor der Pest. Sollte die in Zehlendorf ankommen, müssten Greta, Molly und James mehrere Monate in Quarantäne, dürften nicht mehr auf die Weide und auch sonst nicht raus. Für eine Quarantäne ist das Gehege aber nicht ausgelegt. Die Ställe sind klein und marode. Um sie komplett erneuern zu können, fehlt das Geld. Um den Düppeler Weideschweinen ein langes Leben im Museumsdorf Düppel zu garantieren – und damit eine Fortsetzung des erfolgreichen Projekts – benötigt das Stadtmuseum Berlin dringend finanzielle Unterstützung für die Sanierung von Gehege und Stallungen. 

Text: Melanie Huber

Ihr Spendenkonto für die Düppeler Weideschweine
Stiftung Stadtmuseum Berlin
Berliner Volksbank eG
IBAN DE94 1009 0000 8841 0320 13
BIC BEVODEBBXXX
Verwendungszweck: Düppeler Weideschweine

Update: Fördererkreis spendet 10.000 Euro

08.04.2021 Durch die großzügige Spende des Fördererkreises Museumsdorf Düppel e.V. in Höhe von 10.000 Euro ist das Museumsdorf Düppel ein gutes Stück vorangekommen in der Finanzierung des neuen Tiergeheges. Spenden aus der Bevölkerung belaufen sich aktuell auf mehr als 8.000 Euro. Die Kosten für den Bau neuer Stallungen betragen insgesamt 60.000 Euro. Das Museumsdorf Düppel ist frohen Mutes und bedankt sich herzlich bei Verein und den zahlreichen Einzelpersonen für ihre Spenden! 

16.03.2021 Auch James, das Wollschwein, musste seinen Stall mittlerweile verlassen. Bis das Gehege saniert ist, verbringt James seine Zeit bei einer Züchterin im brandenburgischen Zossen. Dafür fehlen aber nach wie vor die finanziellen Mittel. Wir bitten Sie daher weiterhin um Ihre Spenden. Das Museumsdorf Düppel freut sich über jegliche Unterstützung.

11.01.2021 Auf Grund der drohenden Schweinepest in Berlin und Umgebung und wegen nicht mehr nutzbarer Ställe wurden die Düppeler Weideschweine Greta und Molly ins Freilichtlabor Lauresham des Klosters Lorsch gebracht. Sie bleiben dort so lange, bis das Tiergehege in Zehlendorf saniert ist. 

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